Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht des HI-Basisfonds Aktien Welt ein insgesamt solides und ordentlich geführtes Bild. Der Fonds hat im Geschäftsjahr 2024/2025 seine Benchmark leicht geschlagen, ist breit über viele Einzeltitel und Länder diversifiziert und bleibt kostenmäßig attraktiv. Gleichzeitig ist aber klar zu erkennen, dass die Strategie stark vom US-Aktienmarkt und insbesondere vom Technologiesektor geprägt ist. Genau darin liegen sowohl die Stärke als auch das zentrale Risiko des Fonds.
Positiv fällt zunächst die Wertentwicklung auf. Die X-Tranche legte um 6,82 %, die I-Tranche um 6,67 % zu, während der MSCI World Net Return Index auf 6,47 % kam. Damit hat der Fonds seine Vergleichsgröße leicht übertroffen. Das ist deshalb bemerkenswert, weil der Fonds laut Bericht einen möglichst geringen Tracking Error und eine Begrenzung des Turnovers anstrebt. Er will also kein aggressiver High-Conviction-Fonds sein, sondern eher ein kontrolliert gesteuertes Weltaktienportfolio mit moderater aktiver Abweichung. Für Anleger bedeutet das: Der Fonds versucht nicht, mit extremen Wetten zu glänzen, sondern Mehrwert eher über fein dosierte Selektion und Faktorsteuerung zu erzielen.
Die Portfolioqualität wirkt auf den ersten Blick überzeugend. Das Fondsvermögen beträgt zum Stichtag rund 145,7 Mio. Euro, davon sind 97,78 % in Aktien investiert. Die Liquiditätsquote ist mit 1,19 % Bankguthaben niedrig, was für einen Aktienfonds sinnvoll ist. Der Derivateeinsatz ist mit 0,01 % des Fondsvermögens praktisch nur technischer Natur und dient laut Bericht vor allem der Liquiditätssteuerung. Das spricht gegen ein übermäßig komplexes oder gehebeltes Risikoprofil.
Stark ist auch die Breite auf Einzeltitelebene. Im Fonds finden sich zahlreiche globale Qualitätsunternehmen aus den USA, Europa und Asien. Unter den größten Positionen dominieren bekannte Wachstums- und Qualitätswerte wie NVIDIA, Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Broadcom, Meta und Tesla. Das erhöht die Chancen auf langfristiges Gewinnwachstum, macht das Portfolio aber auch empfindlich gegenüber Bewertungsrückgängen im US-Tech-Sektor.
Genau hier liegt der wichtigste Punkt für Anleger: Der Fonds ist zwar formal ein Weltaktienfonds, faktisch aber sehr stark US-lastig. Die USA machen 69,38 % des Fondsvermögens aus. Bereits zu Beginn des Geschäftsjahres lag der Wert mit 70,26 % ähnlich hoch. Das ist zwar für MSCI-World-nahe Strategien grundsätzlich typisch, bedeutet aber: Die Wertentwicklung des Fonds hängt in hohem Maß von der Entwicklung amerikanischer Mega-Caps ab. Wer einen echten globalen Gleichgewichtsfonds sucht, bekommt hier eher keinen neutral verteilten Weltfonds, sondern einen klassischen entwickelten-Markets-Fonds mit klarer USA-Dominanz.
Hinzu kommt die Sektorlastigkeit. Der Technologiesektor macht 32,84 % aus und ist damit der mit Abstand wichtigste Performancetreiber. Gegenüber dem Vorjahr ist dieser Anteil sogar gestiegen. Dahinter folgen Industriegüter und Dienstleistungen mit 11,90 % sowie Gesundheit mit 9,39 %. Das ist attraktiv, solange die Börse Wachstumswerte bevorzugt. Kommt es aber zu einer Rotation weg von Tech oder zu sinkenden Bewertungen bei KI- und Plattformwerten, dürfte der Fonds stärker unter Druck geraten als defensiver aufgestellte globale Aktienfonds.
Erfreulich ist die Kostenstruktur. Die ausgewiesene Gesamtkostenquote beträgt 0,09 % für die X-Tranche und 0,22 % für die I-Tranche. Das ist günstig. Besonders auffällig ist, dass die X-Tranche laut Anteilklassenübersicht keine Verwaltungsvergütung erhebt, während die I-Tranche mit 0,15 % p.a. belastet wird. Für Anleger ist die X-Tranche damit kostenmäßig attraktiver, sofern sie zugänglich ist. Die I-Tranche hat dagegen eine Mindestanlagesumme von 100.000 Euro und zusätzlich einen Ausgabeaufschlag von 1,00 %, was sie für viele Privatanleger weniger interessant macht.
Ein weiterer Pluspunkt ist das Wachstum des Fondsvolumens. Die I-Tranche wuchs von 11,8 Mio. Euro auf 43,8 Mio. Euro, die X-Tranche von 60,2 Mio. Euro auf 101,9 Mio. Euro. Das deutet auf Mittelzuflüsse und ein gewisses Anlegervertrauen hin. Größeres Volumen kann die Handelbarkeit verbessern und die Fondsstabilität erhöhen, auch wenn es allein natürlich kein Qualitätsmerkmal ist.
Bei der Ausschüttungspolitik handelt es sich um einen ausschüttenden Fonds. Die Ausschüttung je Anteil lag bei der I-Tranche bei 0,49 Euro und bei der X-Tranche bei 0,69 Euro. Für Einkommensanleger ist das ein Pluspunkt, wenngleich die Ausschüttungsrendite angesichts der Anteilspreise eher moderat bleibt. Der Fonds ist damit klar mehr auf Kapitalwachstum als auf laufende Ausschüttung ausgerichtet.
Kritisch betrachten sollte man aus Anlegersicht die Währungsrisiken. Der Fonds investiert global, sichert Fremdwährungen aber nicht ab. Gerade wegen des hohen US-Anteils spielt der USD/EUR-Wechselkurs für Euro-Anleger eine spürbare Rolle. In guten US-Börsenphasen kann das helfen, in schwachen Dollarphasen aber belasten. Wer einen globalen Fonds ohne nennenswerte Währungsschwankungen sucht, muss dieses Risiko einkalkulieren.
Auch beim Thema Nachhaltigkeit ist der Fonds eher klassisch aufgestellt. Er fördert keine nachhaltigen Merkmale im Sinne von Artikel 8 oder 9, berücksichtigt die EU-Taxonomie nicht und bezieht derzeit auch keine Principal Adverse Impacts (PAI) systematisch ein. Für Anleger, die Wert auf ESG-Integration legen, ist das ein klarer Nachteil. Für rein renditeorientierte Anleger ist es dagegen eher eine Stilfrage als ein unmittelbares Qualitätsproblem.
Unterm Strich wirkt der Fonds aus Investorensicht überzeugend für Anleger, die einen günstigen, breit gestreuten, aber benchmarknahen Weltaktienfonds mit leichter aktiver Steuerung suchen. Die Stärken sind die niedrigen Kosten, die saubere Struktur, die breite Streuung, die geringe Derivate-Nutzung und die leichte Outperformance gegenüber dem MSCI World. Die Schwächen liegen in der sehr hohen Abhängigkeit von US-Aktien, der starken Tech-Konzentration und dem fehlenden Nachhaltigkeitsfokus.
Fazit:
Der HI-Basisfonds Aktien Welt ist kein spektakulärer Spezialfonds, sondern ein solider, effizienter Weltaktienfonds mit leichter aktiver Note. Für langfristig orientierte Anleger kann er attraktiv sein, wenn sie bewusst akzeptieren, dass „Welt“ hier in der Praxis vor allem USA plus globale Qualitätsaktien bedeutet. Wer genau dieses Profil sucht, bekommt einen gut strukturierten Fonds. Wer dagegen mehr regionale Ausgewogenheit, geringere Tech-Abhängigkeit oder stärkere ESG-Kriterien möchte, sollte ihn kritisch vergleichen.