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72 Stunden auf gekentertem Boot: 15-Jähriger überlebt in der eisigen Beringsee – Bruder und Cousin sterben

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay

Fast drei Tage allein auf einem gekenterten Fischerboot, umgeben von eisigem Meer: Ein 15-Jähriger aus Alaska hat ein dramatisches Bootsunglück in der Beringsee überlebt. Der Jugendliche wurde schließlich aus der Luft entdeckt und von der Besatzung eines Fischerbootes gerettet.

Für seinen älteren Bruder und seinen Cousin endete der Angelausflug dagegen tödlich. Beide überlebten das Unglück nicht.

Drei Angehörige brechen zum Heilbutt-Angeln auf

Der 15-Jährige war am Freitag gemeinsam mit seinem Bruder und seinem Cousin von der abgelegenen St.-Lawrence-Insel im Norden Alaskas aufgebrochen. Die drei wollten Heilbutt angeln und planten, am Sonntag zurückzukehren.

Doch das kleine Fischerboot erreichte den Hafen nicht mehr.

Nachdem die drei Vermissten nicht zurückgekehrt waren, wurden die Behörden verständigt. Mit Unterstützung der US-Küstenwache begann eine groß angelegte Suche auf dem Meer.

Zu diesem Zeitpunkt war noch unklar, was mit dem Boot und seinen Insassen geschehen war.

Flugzeugbesatzung entdeckt Jugendlichen auf Bootsrumpf

Erst am Montag gelang der entscheidende Durchbruch.

Die Besatzung eines Hercules-Suchflugzeugs entdeckte den 15-Jährigen auf dem Rumpf des gekenterten Fischerbootes. Der Jugendliche befand sich auf dem Meer vor Alaska in der Nähe der russischen Region Tschukotka.

Er hatte sich auf den umgedrehten Bootsrumpf retten können und dort über einen außergewöhnlich langen Zeitraum ausgeharrt.

Die Flugzeugbesatzung setzte Leuchtraketen ein, um ein Fischerboot in der Umgebung auf die Position des Jugendlichen aufmerksam zu machen und zur Unglücksstelle zu führen.

Rettung dauert weitere vier Stunden

Doch selbst nachdem der Junge entdeckt worden war, war seine Rettung noch längst nicht geschafft.

Das herbeigerufene Fischerboot änderte sofort seinen Kurs. Trotzdem dauerte es nach den vorliegenden Angaben noch ungefähr vier Stunden, bis die Besatzung den Jugendlichen tatsächlich erreichen konnte.

Während der Suche ließ die Crew wiederholt das Nebelhorn ertönen. Damit sollte dem 15-Jährigen signalisiert werden, dass Hilfe unterwegs war.

Aus der Luft waren zuvor Rettungsmittel abgeworfen worden. Der Jugendliche war jedoch bereits so geschwächt, dass er nicht mehr zu ihnen schwimmen konnte.

Als das Fischerboot schließlich bei ihm eintraf, musste er mit einem Seilzug an Bord gebracht werden.

Unterkühlt – aber in vergleichsweise gutem Zustand

Auf Aufnahmen der Rettungsaktion ist der Jugendliche in einer auffälligen gelben Jacke zu erkennen. Er kniet auf dem nach oben ragenden Rumpf des gekenterten Bootes und wartet auf seine Rettung.

Nach Angaben der Küstenwache litt der 15-Jährige unter Unterkühlung. Angesichts der langen Zeit auf dem Meer wurde sein körperlicher Zustand dennoch als vergleichsweise gut beschrieben.

Der Kapitän des Fischerbootes zeigte sich beeindruckt von der Widerstandskraft des Jugendlichen und bezeichnete ihn als einen äußerst zähen Jungen.

Bruder ertrinkt – Cousin verliert seine Kräfte

Während der 15-Jährige gerettet werden konnte, überlebten seine beiden Begleiter das Unglück nicht.

Sein älterer Bruder soll ertrunken sein.

Der Cousin hatte es zunächst ebenfalls geschafft, sich am gekenterten Boot festzuhalten. Doch im Verlauf des Überlebenskampfes verließen ihn offenbar die Kräfte. Auch er kam ums Leben.

Damit musste der Jugendliche nicht nur selbst über einen Zeitraum von fast drei Tagen ums Überleben kämpfen, sondern zugleich miterleben, wie zwei seiner Angehörigen starben.

Wie konnte der 15-Jährige so lange überleben?

Dass der Jugendliche die lange Zeit in der Beringsee überstand, dürfte maßgeblich damit zusammenhängen, dass er sich auf den umgedrehten Bootsrumpf retten konnte und dadurch zumindest nicht dauerhaft vollständig im kalten Wasser lag.

Kaltes Meerwasser entzieht dem menschlichen Körper wesentlich schneller Wärme als kalte Luft. Ein längerer Aufenthalt unmittelbar im Wasser kann deshalb sehr schnell lebensgefährlich werden.

Trotzdem blieb auch auf dem Bootsrumpf die Gefahr einer schweren Unterkühlung bestehen. Wind, Nässe und niedrige Temperaturen können die Körpertemperatur zunehmend absinken lassen.

Dass der Jugendliche bei seiner Rettung noch ansprechbar und in einem vergleichsweise stabilen Zustand war, macht seinen Überlebenskampf außergewöhnlich.

Ursache des Unglücks weiterhin ungeklärt

Warum das Fischerboot kenterte, ist bislang nicht geklärt.

Aus den bisherigen Angaben geht nicht hervor, ob schlechtes Wetter, hoher Wellengang, ein technischer Defekt oder eine andere Ursache zu dem Unglück führte.

Fest steht lediglich, dass der 15-Jährige nach dem Kentern fast drei Tage auf dem Rumpf des Bootes ausharrte, bevor er aus der Luft entdeckt wurde.

Für den Jugendlichen endete die Suche mit seiner Rettung – gleichzeitig jedoch mit der Nachricht, dass sein Bruder und sein Cousin das Unglück nicht überlebt haben.

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