Eine Entdeckung der Stiftung Warentest sorgt derzeit für erhebliche Besorgnis unter Verbraucherschützern: Auf Smartphones des chinesischen Herstellers Xiaomi tauchen offenbar Push-Benachrichtigungen mit gefälschten Nachrichtenartikeln auf. Die Meldungen sehen auf den ersten Blick aus wie seriöse Eilmeldungen von bekannten Medien – etwa von der Tagesschau oder dem ZDF-Magazin „heute“. Doch hinter den scheinbar journalistischen Artikeln steckt in vielen Fällen eine Betrugsmasche.
Die Stiftung Warentest stieß eher zufällig auf das Problem, während sie Xiaomi-Smartphones testete. Auf den Geräten erschienen plötzlich Push-Meldungen, die angeblich aktuelle Nachrichten versprachen. Die Schlagzeilen wirkten sensationell: Prominente Persönlichkeiten oder Politiker hätten angeblich geheime Informationen preisgegeben, etwa in bekannten Talkshows. Ein Klick auf die Meldung führte jedoch nicht zu echten Nachrichtenartikeln, sondern zu täuschend echt gestalteten Fälschungen.
Die Seiten imitierten das Design bekannter Medien, insbesondere der Tagesschau. Inhaltlich drehten sich die Artikel meist um angebliche Geheimtipps, mit denen man schnell reich werden könne oder spektakuläre Gesundheits- oder Schönheitsprodukte entdecken würde. Ziel dieser Inhalte sei es offenbar, Nutzer auf betrügerische Angebote zu lenken oder sie dazu zu bringen, persönliche Daten preiszugeben.
Nach Einschätzung der Stiftung Warentest könnte es sich dabei um Anlagebetrug oder Phishing handeln. Bei solchen Methoden versuchen Kriminelle, Menschen durch vermeintlich seriöse Inhalte zu täuschen und sie zu Investitionen in dubiose Online-Plattformen zu bewegen oder ihre Kreditkarten- und Kontodaten abzugreifen.
Besonders brisant ist der Weg, über den die Fakes verbreitet werden. Anders als klassische Internetwerbung oder Spam-E-Mails erscheinen die Meldungen direkt als Push-Benachrichtigung auf dem Smartphone – ähnlich wie Eilmeldungen aus Nachrichten-Apps. Dadurch wirken sie für viele Nutzer besonders glaubwürdig.
Die Push-Nachrichten stammen laut Stiftung Warentest vom sogenannten Mi-Browser, einem Internetbrowser, der auf vielen Xiaomi-Geräten bereits vorinstalliert ist. Sobald Nutzer auf die Meldung klicken, werden sie auf Webseiten weitergeleitet, die wie echte Medienberichte aussehen, tatsächlich aber Teil eines betrügerischen Systems sein könnten.
Die Verbraucherschützer bewerteten diesen Umstand deutlich. In ihrem Test erhielt das Xiaomi-Smartphone Redmi 15 wegen dieser problematischen Push-Meldungen die Bewertung „mangelhaft“ in der Kategorie Menü und Bedienung.
Bereits zuvor waren Xiaomi-Geräte wegen anderer aufdringlicher Push-Benachrichtigungen aufgefallen, etwa Werbung für Online-Marktplätze wie Temu. Während diese Meldungen vor allem als störend galten, sehen Experten in den aktuellen Fake-Nachrichten eine deutlich größere Gefahr, weil sie gezielt Vertrauen ausnutzen und zu finanziellen Schäden führen können.
Die Stiftung Warentest rät Nutzern deshalb zu einfachen Schutzmaßnahmen. Wer ein Xiaomi-Smartphone besitzt, sollte die Push-Benachrichtigungen des Mi-Browsers deaktivieren oder alternativ einen anderen Browser verwenden. Dadurch lassen sich die fragwürdigen Meldungen meist verhindern.
Darüber hinaus gilt weiterhin eine grundlegende Regel im Umgang mit Online-Inhalten: Wenn ein Angebot zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das meistens auch. Versprechen über schnelle Gewinne, sensationelle Geheimtipps oder exklusive Enthüllungen sollten stets kritisch hinterfragt werden.
Auch empfiehlt es sich, spektakuläre Behauptungen kurz zu überprüfen – etwa durch eine schnelle Internet-Suche. Wenn eine angebliche Sensationsmeldung nur auf einer einzigen Seite auftaucht, handelt es sich häufig um einen Fake.
Der Smartphone-Hersteller Xiaomi erklärte gegenüber der Stiftung Warentest, man nehme die Hinweise sehr ernst und habe Untersuchungen eingeleitet, um herauszufinden, wie die problematischen Push-Meldungen entstehen konnten.
Der Fall zeigt einmal mehr, wie stark sich Betrugsmaschen im Internet weiterentwickeln. Mit Hilfe moderner Technologien und künstlicher Intelligenz wirken Fake-Artikel heute oft erstaunlich professionell – und erreichen ihre Opfer inzwischen sogar direkt über das Smartphone.