Die Fischerei Köllnitz GmbH aus Storkow (Mark) gehört zu den bekannten Fischereibetrieben in Brandenburg. Neben der klassischen Fischproduktion betreibt das Unternehmen auch Handel mit Fischerzeugnissen, Dienstleistungen für Angler sowie touristische Angebote rund um das Naturgut Köllnitz. Doch ein Blick auf die veröffentlichten Unternehmenszahlen zeigt, dass sich der Betrieb in den vergangenen Jahren mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen konfrontiert sah.
Ursprünglich ging das Unternehmen aus der Fischerei Köllnitz eG hervor, einer Genossenschaft, die später in eine GmbH umgewandelt wurde. Mit diesem Schritt sollte die Unternehmensstruktur modernisiert und wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten erweitert werden. Gleichzeitig wurden neue Geschäftsfelder aufgebaut, etwa im Bereich Tourismus, Gastronomie und Freizeitangebote rund um das Anglerwesen.
Die wirtschaftlichen Kennzahlen zeigen jedoch eine zunehmend angespannte Situation. Während das Unternehmen in den Jahren 2017 und 2018 noch moderate Gewinne erzielte – etwa rund 2.300 Euro im Jahr 2017 und knapp 10.000 Euro im Jahr 2018 – verschlechterte sich die Lage in den Folgejahren deutlich.
Besonders drastisch fiel die Entwicklung ab dem Jahr 2020 aus. In diesem Jahr wurde ein Verlust von rund 266.979 Euro ausgewiesen. Im darauffolgenden Jahr 2021 verschärfte sich die Situation weiter: Der Fehlbetrag stieg auf über 617.000 Euro. Damit rutschte das Unternehmen bilanziell in eine deutliche Schieflage.
Diese Verluste spiegeln sich auch im Eigenkapital wider. Während die Fischerei Köllnitz GmbH im Jahr 2019 noch über 361.995 Euro Eigenkapital verfügte, sank dieser Wert im Jahr 2020 drastisch auf rund 95.016 Euro. Im Jahr 2021 war das Eigenkapital schließlich vollständig aufgebraucht – es entstand ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von rund 522.066 Euro. Eine solche Situation bedeutet, dass die Schulden des Unternehmens das vorhandene Vermögen übersteigen.
Parallel dazu stiegen die Verbindlichkeiten massiv an. Sie erhöhten sich von rund 124.875 Euro im Jahr 2019 auf über 694.000 Euro im Jahr 2020 und schließlich auf etwa 1,85 Millionen Euro im Jahr 2021. Diese Entwicklung zeigt, dass das Unternehmen in dieser Zeit erheblich mehr Fremdkapital aufnehmen musste, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.
Auch strukturelle Veränderungen in der Geschäftsführung begleiteten diese wirtschaftlich schwierige Phase. In den vergangenen Jahren kam es mehrfach zu Wechseln in der Unternehmensleitung. Aktuell wird die Fischerei Köllnitz GmbH von Kathrin Buschmann aus Bad Saarow und Stefan Ziegenhagen aus Berlin als Geschäftsführer vertreten.
Neben der Fischproduktion ist das Unternehmen auch Teil eines größeren Netzwerks verschiedener Gesellschaften. Dazu gehören unter anderem Verbindungen zur Naturgut Köllnitz GmbH sowie zu mehreren Projektgesellschaften aus dem Umfeld von Artprojekt, einem Berliner Immobilienentwickler. Diese Verbindungen deuten darauf hin, dass das Unternehmen in ein breiteres wirtschaftliches Umfeld eingebunden ist, das neben Fischerei auch Tourismus- und Immobilienprojekte umfasst.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten fallen in eine Zeit, in der viele traditionelle Fischereibetriebe unter Druck stehen. Steigende Kosten, strengere Umweltauflagen, schwankende Fangmengen und zunehmende Konkurrenz durch internationale Fischmärkte stellen die Branche vor große Herausforderungen. Gleichzeitig versuchen viele Betriebe, durch Tourismusangebote, Gastronomie oder Direktvermarktung zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen.
Auch staatliche Unterstützung spielte eine Rolle. Im Jahr 2022 erhielt das Unternehmen laut Transparenzdatenbank staatliche Beihilfen von rund 183.788 Euro, die im Zusammenhang mit Corona-Hilfsprogrammen standen. Solche Förderungen sollen Unternehmen helfen, außergewöhnliche wirtschaftliche Belastungen zu überstehen.
Ob die Fischerei Köllnitz GmbH ihre wirtschaftliche Situation langfristig stabilisieren kann, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die Kostenstruktur zu verbessern, neue Einnahmequellen zu erschließen und das Vertrauen von Investoren oder Finanzierungspartnern zu sichern.
Trotz der schwierigen Zahlen bleibt das Unternehmen ein bedeutender Bestandteil der regionalen Wirtschafts- und Kulturlandschaft rund um die Seenlandschaft südöstlich von Berlin. Gerade traditionelle Fischereibetriebe erfüllen neben ihrer wirtschaftlichen Rolle oft auch eine wichtige Funktion für Tourismus, regionale Identität und nachhaltige Lebensmittelproduktion.