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Mehr als doppelt so viele Diagnosen: Endometriose betrifft immer mehr Frauen in Deutschland

orzalaga (CC0), Pixabay

Die Zahl der Frauen mit der Diagnose Endometriose in Deutschland ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen. Nach Hochrechnungen aus dem aktuellen Arztreport der Krankenkasse Barmer hat sich die Zahl der Betroffenen seit Mitte der 2000er-Jahre mehr als verdoppelt. Während im Jahr 2005 noch rund 230.000 Frauen mit der Erkrankung diagnostiziert wurden, waren es im Jahr 2024 bereits etwa 510.000.

Die Entwicklung weist auf eine zunehmende medizinische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit für eine Krankheit hin, die lange Zeit unterschätzt wurde. Endometriose gilt als eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen – dennoch wird sie oft erst nach Jahren erkannt.

Chronische Erkrankung mit starken Schmerzen

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst. Diese sogenannten Endometriose-Herde können sich unter anderem an den Eierstöcken, im Bauchraum oder an anderen Organen ansiedeln.

Da dieses Gewebe – ähnlich wie die Gebärmutterschleimhaut – hormonellen Veränderungen im Menstruationszyklus unterliegt, kommt es häufig zu Entzündungen und Schmerzen. Betroffene Frauen leiden häufig unter:

  • starken Unterleibsschmerzen

  • schmerzhaften Menstruationsblutungen

  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

  • chronischen Bauch- und Rückenschmerzen

In schweren Fällen kann die Erkrankung auch die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und zu ungewollter Kinderlosigkeit führen.

Mehr Diagnosen – aber auch mehr Aufmerksamkeit

Mediziner führen den Anstieg der Fallzahlen nicht ausschließlich auf eine tatsächliche Zunahme der Erkrankung zurück. Ein wesentlicher Grund dürfte auch die verbesserte Diagnostik und eine höhere Sensibilität für das Thema sein.

Viele Frauen mussten früher jahrelang auf eine richtige Diagnose warten. Symptome wurden häufig als „normale Menstruationsbeschwerden“ abgetan. Heute wird Endometriose stärker als eigenständige Erkrankung wahrgenommen, wodurch sie häufiger erkannt und dokumentiert wird.

Diagnose bleibt schwierig

Trotz zunehmender Aufmerksamkeit bleibt die Diagnose kompliziert. Endometriose kann nur sicher festgestellt werden, wenn Gewebeherde sichtbar gemacht oder operativ entfernt und untersucht werden. Häufig geschieht dies im Rahmen einer Bauchspiegelung.

Expertinnen und Experten kritisieren deshalb, dass zwischen dem Auftreten erster Symptome und der endgültigen Diagnose oft viele Jahre vergehen. In dieser Zeit leiden Betroffene häufig unter erheblichen körperlichen und psychischen Belastungen.

Forderungen nach besserer Versorgung

Patientinnenorganisationen und medizinische Fachgesellschaften fordern seit Jahren eine bessere Versorgung von Betroffenen. Dazu gehören:

  • mehr spezialisierte Endometriose-Zentren

  • frühere Diagnosen durch bessere Aufklärung

  • stärkere Forschung zu Ursachen und Behandlung

  • bessere Unterstützung im Alltag und im Berufsleben

Auch in der Gesundheitspolitik gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung. Chronische Schmerzen und mögliche Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit machen Endometriose für viele Frauen zu einer erheblichen gesundheitlichen und sozialen Belastung.

Erkrankung betrifft Millionen weltweit

Schätzungen zufolge leidet weltweit etwa jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter an Endometriose. Viele Fälle bleiben jedoch unerkannt.

Der deutliche Anstieg der Diagnosen in Deutschland zeigt daher nicht nur eine medizinische Entwicklung, sondern auch einen gesellschaftlichen Wandel: Beschwerden, die lange tabuisiert oder verharmlost wurden, rücken stärker ins öffentliche Bewusstsein. Für Betroffene könnte dies langfristig bessere Behandlungsmöglichkeiten und mehr Unterstützung bedeuten.

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