Der Krieg im Iran und die Blockade der Straße von Hormus zeigen nun spürbare Folgen an deutschen Zapfsäulen. In mehreren Städten hat der Preis für Super-Benzin die Marke von zwei Euro pro Liter überschritten. Besonders im Rhein-Main-Gebiet werden bereits bis zu 2,08 Euro für Super E5 verlangt, auch E10 nähert sich vielerorts der Zwei-Euro-Schwelle oder liegt bereits darüber.
Blockade der Straße von Hormus als Preistreiber
Hintergrund der Preisexplosion ist die Eskalation im Nahen Osten. Durch die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Öltransportrouten der Welt, wird normalerweise etwa jeder fünfte Liter Rohöl verschifft. Seit der Blockade durch den Iran stockt der Verkehr von Tankern erheblich. Die Sorge vor Engpässen treibt die Märkte an – und mit ihnen die Spritpreise in Deutschland.
Auch in Nordrhein-Westfalen wurden bereits Preise jenseits der Zwei-Euro-Marke gemeldet. Lediglich einige freie Tankstellen liegen noch wenige Cent darunter. Für viele Autofahrer ist die psychologisch wichtige Schwelle damit erneut überschritten.
Kritik an „panischer Reaktion“
Michael Haberland, Präsident des Automobilclubs „Mobil in Deutschland“, hält den rasanten Anstieg für überzogen. Seiner Einschätzung nach sei die aktuelle Preisentwicklung von der tatsächlichen Rohöllage entkoppelt. Das Barrel Rohöl notiert derzeit bei rund 85 Dollar – ein Niveau, das allein aus seiner Sicht keinen derart abrupten Sprung an den Zapfsäulen rechtfertige.
Auch aus der Politik kommt Kritik. Vertreter der SPD weisen darauf hin, dass der aktuell verkaufte Kraftstoff überwiegend zu deutlich niedrigeren Rohölpreisen eingekauft worden sei. Preiserhöhungen in diesem Tempo seien daher zumindest erklärungsbedürftig.
Kommt die Spritpreis-Bremse zurück?
Angesichts der steigenden Belastung für Verbraucher werden politische Gegenmaßnahmen diskutiert. Aus der schwarz-roten Koalition kamen Signale, mögliche Preisdämpfungen zumindest zu prüfen. Im Gespräch sind eine Reaktivierung der Spritpreis-Bremse oder ein vorübergehendes Aussetzen der CO₂-Abgabe.
Ob und wann konkrete Schritte folgen, ist offen. Klar ist jedoch: Die geopolitische Krise wirkt sich unmittelbar auf den Alltag in Deutschland aus. Für Pendler, Handwerksbetriebe und Logistikunternehmen bedeuten die steigenden Preise spürbare Mehrkosten – und die Sorge, dass die Zwei-Euro-Marke womöglich nur eine Zwischenstation ist.