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Große Aufregung um „Pfandtourismus“ – und jetzt? Was ein Jahr nach der österreichischen Pfanderhöhung wirklich passiert ist

wal_172619 (CC0), Pixabay

Als Österreich Anfang Februar 2025 das Pfand für 0,5-Liter-Mehrweg-Glasflaschen auf 20 Cent anhob und pro Kiste sieben Euro Rückvergütung einführte, war die Sorge groß: Würde sich für deutsche Kunden der Weg über die Grenze lohnen? Drohte bayerischen Brauereien ein massenhafter „Pfandtourismus“?

Ein Jahr später zeigt sich: Die befürchtete Welle ist ausgeblieben – ganz folgenlos blieb die Umstellung jedoch nicht.

Deutlich höhere Rückgabe in Österreich

Der Unterschied ist erheblich. Während Verbraucher in Österreich für eine Kiste 0,5-Liter-Mehrwegflaschen sieben Euro erhalten, liegt die Rückvergütung in Deutschland deutlich darunter. Theoretisch ergibt sich daraus ein Anreiz: Leergut in Bayern kaufen – und jenseits der Grenze gewinnbringend zurückgeben.

Vor allem in den ersten Monaten nach der Reform gab es einzelne Versuche, diese Differenz auszunutzen. Die Brauerei Schönram aus Petting im Landkreis Traunstein, die auch in Österreich vertreibt, registrierte ungewöhnliche Rückgabemengen. Nach Unternehmensangaben wurden im vergangenen Jahr rund 10.000 Kisten mehr in Österreich zurückgegeben als dorthin ausgeliefert worden waren.

Der finanzielle Effekt: rund 33.000 Euro Mehrkosten durch sogenannten „Pfandschlupf“. In einem Fall habe ein Kunde versucht, gleich 50 Kisten auf einmal in einem österreichischen Geschäft zurückzugeben – wurde jedoch abgewiesen.

Der große Run blieb aus

Trotz einzelner Vorfälle blieb ein massenhafter Ansturm offenbar aus. Vertreter des Bayerischen Brauerbunds berichten, dass die Branche vergleichsweise glimpflich davongekommen sei. Von größeren oder flächendeckenden Problemen sei bei den Mitgliedsbetrieben kaum die Rede.

Als Gründe werden mehrere Faktoren genannt:

  • Die Pfanderhöhung wurde relativ kurzfristig angekündigt – Horten von Leergut war daher kaum möglich.

  • Der österreichische Handel wurde im Vorfeld sensibilisiert.

  • Rücknahmesysteme prüfen Herkunft und Art der Gebinde zunehmend genauer.

  • Der wirtschaftliche Gewinn relativiert sich angesichts von Fahrtkosten und Aufwand.

Auch große Handelsunternehmen in Österreich sehen keinen nennenswerten „Pfandtourismus“. Von systematischem Missbrauch sei im Tagesgeschäft nichts zu spüren gewesen.

Rechenbeispiel relativiert den Anreiz

Auf den ersten Blick wirkt die Differenz attraktiv. Doch wer die Strecke, Zeit und mögliche Kontrollen einrechnet, erkennt schnell: Der Gewinn schrumpft. Für Privatpersonen lohnt sich die Fahrt meist nicht. Organisierte oder gewerbliche Versuche sind durch Rücknahmeregeln erschwert.

Hinzu kommt: Nicht jede Flasche ist identisch. Unterschiede bei Kästen, Markierungen oder Umlaufsystemen können eine Rückgabe verhindern.

Branche bleibt wachsam

Ganz vom Tisch ist das Thema dennoch nicht. Gerade in Grenzregionen bleibt die Aufmerksamkeit hoch. Mehrwegsysteme funktionieren nur, wenn Pfandströme ausgeglichen bleiben. Größere Verschiebungen würden für Brauereien schnell teuer werden.

Doch ein Jahr nach der Reform zeigt sich: Die anfängliche Aufregung war größer als die tatsächlichen Auswirkungen.

Fazit: Mehr Symbol als Massenphänomen

Die Erhöhung des Flaschenpfands in Österreich hat vereinzelt zu Mehrkosten geführt – von einem massenhaften Pfandtourismus kann jedoch keine Rede sein. Die Befürchtungen, dass sich grenznahe Regionen zu regelrechten „Leergut-Hotspots“ entwickeln würden, haben sich nicht bestätigt.

Der Fall zeigt vielmehr, wie sensibel grenzüberschreitende Preisunterschiede wahrgenommen werden – und wie schnell sich wirtschaftliche Sorgen verbreiten können, selbst wenn sich die Realität später als deutlich nüchterner erweist.

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