1) Kurzfazit (was Anleger wirklich wissen wollen)
Der Sarasin-FairInvest-Universal-Fonds lieferte im Berichtszeitraum (01.11.2024–31.10.2025) je nach Anteilklasse rund +2,84 % bis +3,16 %, blieb jedoch klar hinter der Benchmark (+6,64 %) zurück. Das ist die zentrale Botschaft aus Anlegersicht: positives Jahr in absoluten Zahlen, aber signifikantes relatives Underperformance-Problem. Gleichzeitig sank das Fondsvermögen von 110,95 Mio. EUR auf 98,28 Mio. EUR, vor allem durch Netto-Mittelabflüsse – ein typisches Signal, dass Anleger (oder Vertriebskanäle) die relative Entwicklung kritisch sehen.
2) Performance: Warum +3 % „okay“ sind – aber +6,64 % die Messlatte bleibt
Wertentwicklung: Anteilklassen I +3,15 %, I plus +3,14 %, A +2,84 %, S +3,16 % vs. Benchmark +6,64 % (70 % ICE BofA Euro Broad Market TR (EUR) / 30 % MSCI Europe NR (EUR)).
Interpretation: Die Benchmark ist genau auf die strategische 70/30-Welt des Fonds zugeschnitten. Wenn der Fonds ~3,5 Prozentpunkte dahinter bleibt, ist das für ein eher „balanciertes“ Produkt nicht trivial – zumal die Kosten (siehe unten) einen Teil erklären, aber nicht alles.
Einordnung für Anleger:
Wenn Ihr Erwartungsbild „leicht defensiv, dafür stetig“ ist, ist +3 % nicht schlecht. Wenn Ihr Anspruch aber „die Benchmark ungefähr treffen“ lautet, war 2024/25 ein schwaches relatives Jahr.
3) Portfolio & Allokation: Stabil 30/70 – aber die Wirkung kam anders als gedacht
Struktur zum 31.10.2025:
Anleihen: 66,80 %
Aktien: 30,15 %
Rest: Bankguthaben ~2,09 %, Zins-/Dividendenansprüche ~1,29 % (kleine Diverses)
Taktik laut Bericht:
Aktienquote zeitweise bis ~31,65 % (Limit 35 %), am Ende wieder neutral.
Anleihen untergewichtet (gegenüber neutral 70 %).
Duration (Zinssensitivität) reduziert von 5,23 auf 4,24 Jahre.
Anleger-Implikation:
Das Management war „prozyklisch“ (mehr Risiko über Aktien, weniger über Renten) und sagt selbst: das half im Zeitraum. Trotzdem blieb die Gesamtperformance hinter der Benchmark – das lenkt den Blick auf Selektion (Titelwahl) und Faktor-Exposure.
4) Haupttreiber: Aktie-Selektion bremst, Anleihen-Selektion hilft – Verluste realisiert
Der Bericht ist hier erfreulich offen:
Aktiensegment: Fokus auf Qualitätsaktien mit hoher Dividende war negativ und lieferte einen negativen Selektionsbeitrag.
Anleihensegment: Fokus auf Unternehmensanleihen war positiv (Selektionsbeitrag positiv).
Fondsergebnis: Hauptquelle des negativen Veräußerungsergebnisses waren realisierte Verluste aus ausländischen Anleihen.
Warum das wichtig ist:
Realisierte Verluste sind „endgültiger“ als bloße Buchverluste und können auf Timing/Wechsel im Rentenbuch hindeuten. Gleichzeitig zeigt die positive nicht-realisierte Ergebnisentwicklung, dass ein Teil der Bewertung im Bestand wieder aufgeholt wurde – das ist gut, aber es heilt eine Benchmark-Lücke nicht automatisch.
5) Kosten & Effizienz: Kostenquote spürbar – besonders bei Underperformance
Gesamtkostenquote (ohne Transaktionskosten):
I / I plus / S: 1,05 % p.a.
A: 1,35 % p.a.
Transaktionskosten: 88.604,72 EUR im Geschäftsjahr (separat ausgewiesen).
Anleger-Implikation:
Bei einem Jahr mit nur ~3 % Rendite sind ~1 % laufende Kosten ein großer Renditeanteil. Das ist nicht automatisch „zu teuer“ (ESG-Prozess, aktives Management), aber bei deutlicher Benchmark-Unterrendite steigt der Rechtfertigungsdruck: Anleger bezahlen aktiv – bekommen aber (im Zeitraum) weniger als die passive Messlatte.
6) Mittelbewegungen & Fondsgröße: Abflüsse als Vertrauensindikator
Die Entwicklung des Fondsvermögens zeigt:
Start 110,95 Mio. EUR → Ende 98,28 Mio. EUR
Netto-Mittelabfluss: –13,53 Mio. EUR (Zuflüsse ~2,15 Mio., Rücknahmen ~15,68 Mio.)
Lesart:
Abflüsse können viele Gründe haben (Marktumfeld, Investor-Rotation, institutionelle Mandate, Vertrieb). In Kombination mit Underperformance sind sie aber oft ein Hinweis: Anleger haben Alternativen genutzt oder Rebalancing vorgenommen.
7) Risiko-Profil: Klassisch für einen 30/70-Mischfonds – mit klaren Schwerpunkten
Wesentliche Risiken werden standardmäßig beschrieben (Markt, Zins, Emittent, Bonität, Aktie, Währung). Aus dem Zahlenwerk ergeben sich drei praktische Punkte:
Zinsrisiko aktiv gesenkt (Duration runter) → tendenziell weniger anfällig für Zinsanstiege.
Kredit-/Emittentenrisiko bewusst höher, weil Fokus auf Unternehmensanleihen.
Währungsrisiko vorhanden (Bestände u.a. in CHF, DKK, GBP; Devisenkurse sind ausgewiesen). Das kann Rendite stützen oder drücken – je nach EUR-Bewegung.
8) ESG/Artikel-8: „bewirbt Merkmale“, aber nicht automatisch „Impact“
Der Fonds ist als Artikel-8-Produkt nach Offenlegungs-VO eingeordnet und integriert ESG-Überlegungen durchgängig; PAI werden berücksichtigt (auch fondsebene verbindlich). Gleichzeitig steht explizit:
EU-Taxonomie-Kriterien gelten nur für den Teil der Investitionen, der diese Kriterien berücksichtigt; der Rest berücksichtigt sie nicht.
Anleger-Implikation:
Das ist typisch für Artikel-8: ESG-Integration und Ausschlüsse/Präferenzen ja, aber nicht zwingend eine hohe Taxonomie-Quote oder ein „Impact-Versprechen“. Für Anleger heißt das: ESG-Label ist plausibel, aber für konkrete Wirkungsziele müsste man zusätzlich Taxonomie-Anteil / konkrete Nachhaltigkeitskennzahlen prüfen (im genannten regelmäßigen Anhang).
9) Ausblick des Managements: Mehr Risiko (Aktien) bleibt – defensiver Stil soll 2026 helfen
Das Management erwartet robustes Wachstum 2026, bevorzugt Risikoanlagen, bleibt übergewichtet in Aktien und untergewichtet in Anleihen, und setzt nach zyklischer Outperformance 2025 auf defensive Sektoren / Hochdividendenaktien.
Anlegercheck dazu:
Das ist ein Stil-Statement: Wenn 2026 tatsächlich „defensiv schlägt zyklisch“, kann die Aktienselektion wieder helfen. Wenn der Markt erneut stark „risk-on“ läuft (Momentum/zyklisch), kann das Dividenden-/Qualitätsprofil wieder bremsen – wie im Berichtsjahr beschrieben.
10) Für wen passt der Fonds – und welche Fragen sollte man vor Kauf/Weiterhalten stellen?
Passt tendenziell, wenn Sie…
ein EUR-dominiertes Mischportfolio mit Unternehmensanleihen-Fokus suchen,
ESG-Integration (Artikel-8) möchten,
und aktive Abweichungen (Selektion/Faktoren) akzeptieren.
Kritisch, wenn Sie…
primär Benchmarknähe erwarten,
oder Kosten nur akzeptieren, wenn klarer Mehrwert sichtbar ist.