Dark Mode Light Mode

FVM Classic 2024/2025: Solider Mischfonds mit Aktienfokus, Gold-Overlay und spürbarer Kostenbremse

geralt (CC0), Pixabay

1) Kurzfazit aus Anlegersicht

Der FVM Classic liefert im Berichtsjahr (01.11.2024–31.10.2025) eine solide, “klassisch” gemanagte Mischfonds-Performance von rund +7,5% (AK I: +7,47%, AK S: +7,53%). Das Ergebnis stammt überwiegend aus realisierten Kursgewinnen (v. a. aus ausländischen Investmentanteilen), während der laufende Nettoertrag (Zinsen/Dividenden nach Kosten) nur gering positiv ausfällt. Insgesamt wirkt die Strategie wie ein ausgewogener Multi-Asset-Ansatz mit leichter Aktienbetonung, ergänzt um Edelmetall-/Gold-Exposure und eine kleine Derivateabsicherung (DAX-Put).

2) Rendite und Ergebnisqualität

Wertentwicklung:

AK I: +7,47%, AK S: +7,53% (BVI-Methode, ohne Ausgabeaufschlag)

Treiber des Ergebnisses:

In der Ertrags- und Aufwandsrechnung sieht man klar: Der Großteil kommt aus Veräußerungsgewinnen.

Der ordentliche Nettoertrag ist zwar positiv, aber schmal, weil die laufenden Erträge (Zinsen/Dividenden) durch laufende Kosten stark abgeschmolzen werden.

Interpretation für Anleger:

Das ist typisch für viele aktiv gemanagte Mischfonds: Kapitalmarktgewinne tragen, nicht die Ausschüttung.

In schwächeren Marktphasen kann das bedeuten: weniger “Polster” aus laufenden Erträgen, wenn Kursgewinne ausbleiben.

3) Portfolioaufbau und Allokationslogik

Zum 31.10.2025 liegt das Fondsvermögen bei 274,6 Mio. EUR (Vorjahr 235,1 Mio. EUR) – also deutlich gewachsen, zusätzlich gestützt durch Netto-Mittelzuflüsse.

Grobe Struktur (Stichtag 31.10.2025):

Investmentanteile ~41% (starker Baustein-Charakter; Mischung aus ETFs und Fonds)

Aktien ~24,7% (Direktaktien; Schwerpunkt internationale Standardwerte)

Anleihen ~25,8% (Direktanleihen; dazu Renten-/Bond-ETFs in den Investmentanteilen)

Bankguthaben ~6,6% (Liquidität)

Zertifikate ~2,1% (hier: Gold-ETC)

Derivate ~0,26% (DAX Put)

Wichtig: “Look-through” zählt.
Im Tätigkeitsbericht wird die strategische Aktienquote inkl. Aktienanteilen der Zielfonds mit 48,0% angegeben. Das heißt: Obwohl Direktaktien “nur” ~25% sind, steckt über die Investmentanteile zusätzlich Aktienrisiko im Portfolio.

Verschiebungen im Jahr:

Aktienquote wurde erhöht (Ende 48,0%, +2,9 %-Punkte vs. Start).

Rentenquote (inkl. Fonds) fiel auf 35,2% und liegt unter Aktien.

Edelmetalle stiegen auf 10,7% (Goldanstieg als Treiber).

Liquidität ca. 5,8% (Bericht), was taktischen Spielraum signalisiert.

Anleger-Interpretation:
Das ist kein “defensiver Rentenfonds”, sondern ein mischfonds-typischer Renditeansatz mit signifikantem Aktienrisiko und einem Goldpuffer.

4) Aktien- und Rentenbausteine: Was steckt drin?

Aktien (Direktbestand, Auszug): breit diversifiziert, u. a. Industrie/Tech/Qualitätstitel. Positive Beiträge wurden u. a. bei Caterpillar, NVIDIA, Prysmian, Alphabet, Iberdrola genannt; schwächer u. a. Novo Nordisk, Eli Lilly, Motorola Solutions, United Rentals.

Investmentanteile (Highlights aus der Liste):

US- und Europa-Aktien-Screened-ETFs (größere Gewichte)

Themen: AI-Infrastruktur, Digital Security, Wasser, Banken, EM Asia

Gold-ETF (Swisscanto Gold ETF) als großer Block (im Bestand rund 8,6% am Fondsvermögen)

Rentenprofil:

Laufzeiten sind gestaffelt, mit einem Schwerpunkt im 5–10 Jahre Bereich (nach Übersicht).

Schuldnergruppenmix; im Bericht: Unternehmensanleihen (inkl. Fonds) ca. 19% als größte Gruppe.

Mischung aus Staatsanleihen, Corporates, Hybrids, Währungsanleihen; Umsetzung über Anleihen + aktive Rentenfonds + ETFs.

Anleger-Interpretation:

Der Fonds ist multi-asset und multi-instrument (Einzeltitel + ETFs/Fonds). Das kann stabilisieren, erhöht aber die Komplexität (und macht Kostenkontrolle besonders wichtig).

Die Goldquote ist relativ hoch für “klassisch ausgewogen” – für manche Anleger ein Plus (Krisen-/Inflationsschutz), für andere ein Stilbruch (Gold kann auch stark schwanken).

5) Risiko-Management und Derivate

Es gibt eine kleine Absicherung über DAX-Put (März 2026, Strike 22.000). Vom Volumen her ist das im Fonds sehr klein (Derivatebestand ~0,26% des Fondsvermögens).

Das spricht eher für taktisches Risikomanagement als für ein starkes “Overlay-Hedging”.

Währungsrisiko:
Viele Positionen sind USD-lastig (US-Aktien, ETFs, USD-Anleihen). Währungsschwankungen können also spürbar sein (auch wenn nicht alles zwangsläufig ungesichert ist – im Bericht wird jedenfalls Währungsrisiko als relevant genannt).

6) Kosten: der entscheidende Prüfpunkt

Gesamtkostenquote (ohne Transaktionskosten):

AK I: 1,24% p.a.

AK S: 1,23% p.a.

Zusätzlich wird eine erfolgsabhängige Vergütung ausgewiesen:

AK I: 0,70% des durchschnittlichen NAV

AK S: 0,73%

Und im Jahresabschluss stehen als Verbindlichkeiten u. a.:

Performance Fee (Stichtag): -1,49 Mio. EUR (AK I) / Bestandteil der Gesamtverbindlichkeiten auf Fondsebene ebenfalls sichtbar

Anleger-Interpretation (klarer Punkt):

Für eine Mischfonds-Lösung ist die laufende Kostenlast spürbar – insbesondere weil die Performance Fee in guten Jahren “mitläuft”.

Da der ordentliche Nettoertrag nur knapp positiv ist, sieht man: Kosten fressen einen großen Teil der laufenden Erträge. Die Rendite hängt daher stärker von Markt- und Timing-Erfolgen ab.

7) Ausschüttungspolitik und Mittelbewegungen

Ausschüttung:

AK I: Endausschüttung 0,37 EUR je Anteil (relativ klein im Verhältnis zum Anteilwert).

AK S: Endausschüttung 14,50 EUR je Anteil (höher je Anteil, aber andere Stückelung/Anteilwert – daher nicht 1:1 vergleichbar).

Mittelzuflüsse:

Das Fondsvermögen stieg deutlich; es gab Nettozuflüsse im Geschäftsjahr.
Das ist aus Anlegersicht positiv, kann aber bei weiter starkem Wachstum auch bedeuten: mehr Handelsbedarf, potenziell mehr Transaktionskosten und Verwässerungseffekte (wobei der Bericht Schwellenwerte/Überwachung der Transaktionskosten erwähnt).

8) Nachhaltigkeit/Regulatorik (SFDR)

Der Fonds ist als Artikel-6-Produkt eingeordnet (kein Artikel 8 oder 9).

PAI werden auf Gesellschaftsebene berücksichtigt, nicht verbindlich auf Fondsebene.

Anleger-Interpretation:
Wer eine explizit nachhaltige Strategie sucht, wird hier nicht fündig; wer Nachhaltigkeit eher als “Risiko-/Transparenzthema” versteht, bekommt zumindest eine Basis-Berücksichtigung, aber ohne verbindliche ESG-Zielsetzung.

9) Für wen passt der Fonds – und für wen eher nicht?

Kann passen, wenn Sie…

eine klassische Mischfonds-Lösung mit spürbarem Aktienanteil suchen,

Gold als diversifizierenden Baustein akzeptieren oder wünschen,

mit aktiver Steuerung + Themen-ETFs leben können.

Eher kritisch, wenn Sie…

sehr kostensensitiv sind (TER + Performance Fee können Rendite “wegnehmen”),

eine sehr defensive Lösung erwarten (Aktienlook-through ~48% ist nicht defensiv),

eine strikt nachhaltige Einstufung (SFDR Art. 8/9) benötigen.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Rohstoff-Offensive trotz Naturbedenken: Ecuador ebnet Weg für umstrittenes Bergbaugesetz

Next Post

Kleine Komplementär-GmbH mit klarer Struktur: BinnenWind Windpark Verwaltungs GmbH 2024