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Defensive Aktienstrategie mit Optionsprämien – solide Rendite bei spürbaren Kosten und Managerwechsel

geralt (CC0), Pixabay

1) Kurzfazit aus Anlegersicht

Der GSP Aktiv Portfolio UI (DE000A0NEBD5) lieferte im Rumpfgeschäftsjahr (01.04.2025–02.11.2025) eine Wertentwicklung von +8,54% (BVI, ohne Ausgabeaufschlag) – erreicht mit einer bewusst defensiveren Aktienquote (meist 55–60%), einem stabilen Anleiheblock (~35%) und zusätzlichen Prämieneinnahmen über Optionsstrategien. Für Anleger wirkt das wie ein aktiv gesteuerter Mischfonds mit Aktienfokus, der Ertrag nicht nur aus Kursgewinnen, sondern auch aus Optionsprämien “einsammelt”.
Wichtig ist der Wechsel der Verwaltung: Ab 03.11.2025 ging das Verwaltungsrecht von Universal-Investment-Gesellschaft mbH an HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH über – das kann Prozesse, Team, Kosten oder Stil beeinflussen.

2) Portfolioaufbau: defensiver als reiner Aktienfonds, aber klar aktiengetrieben

Fondsvermögen stieg von 47,26 Mio. EUR (31.03.2025) auf 54,20 Mio. EUR (02.11.2025).

Allokation am 02.11.2025 (vereinfacht):

Aktien: 53,57% (zuvor 57,24%)

Anleihen: 34,77% (zuvor 28,16%)

Zertifikate: 4,96% (nahezu konstant; Xetra-Gold)

Liquidität (Bankguthaben): 6,72% (zuvor 8,75%)

Derivate netto: -0,29% (überwiegend verkaufte Optionen)

Interpretation für Anleger:

Das Risikoprofil ist moderater als ein 100%-Aktienfonds, aber Rendite und Schwankung werden primär durch Aktien bestimmt.

Die höhere Anleihequote deutet auf Risikopuffer/Rezessionsvorsorge hin – passend zur beschriebenen Unsicherheit (Zinsen/Zollpolitik).

3) Aktienstil & Positionierung: Value/Real Assets statt Tech

Der Bericht nennt eine deutliche Abweichung von Vergleichsindizes durch Einzeltitelauswahl und Branchenmix:

Übergewichtet: Edelmetalle/Goldbezug, Industrie, Immobilien

Untergewichtet: Technologie, zyklischer Konsum

Regional: global, Schwerpunkt Europa (u.a. Deutschland ~14,6% der Aktienquote)

Das zeigt eine eher substanz- und cashfloworientierte Ausrichtung. In Phasen, in denen Tech den Markt trägt, kann das relativ hinterherlaufen; in Value-/Rohstoffphasen oder bei Inflations-/Krisenstress kann es stabilisieren.

4) Optionsstrategie: Zusatzerträge – aber mit “gedeckelten” Chancen und Pflichten

Der Fonds erzielte „durchgehend Zusatzerträge“ durch:

Verkauf von Calls auf bestehende Aktienpositionen (klassisch: Covered Calls)

Schreiben von Puts (Prämieneinnahme gegen potenzielle Kaufpflicht)

Anlegerwirkung:

Pro: Prämien können Rendite glätten und Seitwärtsphasen monetarisieren.

Contra:

Calls können Aufwärtspotenzial begrenzen (man “verkauft” einen Teil der künftigen Kurschance).

Puts können in Stressphasen zu Zukäufen zu ungünstigen Zeitpunkten führen (oder zu erhöhtem Risiko, wenn Positionen “aufgezwungen” werden).

Netto-Derivate sind klein (-0,29%), aber die Strategie kann das Risikoprofil spürbar beeinflussen, ohne dass die Nettozahl groß aussieht.

5) Anleihenblock: eher Qualität, aber mit Duration-Risiko

Der Fonds hielt laut Bericht eher hohe Bonität und ein breites Laufzeitenprofil. In der Laufzeitenaufteilung liegt ein großer Teil bei 5–10 Jahren (18,73% des Fondsvermögens) plus >10 Jahre (7,08%).

Implikation:

Bei fallenden Zinsen hilft das (Kursgewinne), bei steigenden Zinsen kann es belasten.

Bonitätsrisiko scheint moderat, dennoch sind einzelne Emittenten/Segmente (z.B. Unternehmensanleihen) immer mit Spread-Risiko verbunden.

6) Ergebnisquellen: Performance kam vor allem aus Aktienveräußerungsgewinnen

Ordentlicher Nettoertrag: 282 Tsd. EUR

Ergebnis aus Veräußerungsgeschäften: 2,05 Mio. EUR

Nicht realisiertes Ergebnis: 1,89 Mio. EUR

Ergebnis des Geschäftsjahres: 4,22 Mio. EUR

Der Bericht sagt explizit: Hauptquelle des positiven Veräußerungsergebnisses waren realisierte Gewinne aus ausländischen Aktien.
Für Anleger heißt das: Die Rendite war nicht nur Carry (Zinsen/Dividenden), sondern stark markt- und timinggetrieben.

7) Kosten & “Kostenqualität”: zentraler Prüfpunkt

Gesamtkostenquote (ohne Transaktionskosten): 1,93%

Transaktionskosten: 79,6 Tsd. EUR (separat ausgewiesen)

Für einen aktiv gesteuerten Fonds mit Optionsmanagement sind ~1,9% nicht ungewöhnlich, aber als Anleger sollte man prüfen, ob die aktive Mehrwertchance (Alpha/Downside-Management) diese Kosten dauerhaft rechtfertigt. Auffällig ist in der Aufwandsstruktur die Beratungsvergütung als großer Posten innerhalb der Verwaltungsvergütung – das ist nicht per se schlecht, aber es erhöht die Hürde für “Netto-Mehrwert”.

8) Risiko-Kennzahlen & Risikomanagement

VaR (historische Simulation, 99%, 1 Tag): Ø 2,09% (min 1,30%, max 2,40%)

Durchschnittliche Hebelwirkung durch Derivate: 1,06 (also gering)

Vergleichsvermögen: 50% EURO STOXX Banks NR + 50% MSCI World NR

Einordnung:

VaR-Werte deuten auf kontrolliertes Marktrisiko im Rahmen eines Misch-/Aktivfonds hin.

Das Vergleichsvermögen ist ungewöhnlich (Bankenindex + Weltaktien). Für Anleger kann das bedeuten: Die Manager wollen sich nicht an einem klassischen 60/40-Benchmark messen lassen, sondern betonen eine bestimmte Risikostruktur. Trotzdem bleibt die Frage: Passt diese Benchmark wirklich zur tatsächlichen Allokation (Aktien+Anleihen+Gold/Optionen)? Als Investor würde ich hier besonders auf die künftige Kommunikation/Reportings achten.

9) Ausschüttungspolitik: faktisch thesaurierend im Berichtsjahr

Obwohl rechnerisch “für Ausschüttung verfügbar”, wurde ausgewiesen:

Gesamtausschüttung: 0,00 EUR
De facto wurde also nicht ausgeschüttet (thesaurierungsähnlich). Für Anleger ist das steuerlich/planerisch relevant (je nach persönlicher Situation und Fondsstruktur).

10) Formale Qualität & Sonderthemen

Der Jahresbericht wurde geprüft; der Bestätigungsvermerk stammt von Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Prüfungsurteil ohne wesentliche Beanstandungen im Rahmen des KAGB).

Nachhaltigkeit: Artikel-6-Produkt (SFDR), keine verbindliche PAI-Berücksichtigung auf Fondsebene; kein Artikel 8/9.

11) Für wen wirkt der Fonds geeignet – und worauf sollte man achten?

Eher geeignet für Anleger, die…

aktive Steuerung mögen (inkl. deutlicher Benchmark-Abweichung),

eine aktienorientierte Strategie wollen, aber mit Risikopuffer (Anleihen/Gold/Optionsprämien),

mit Style-Risiken (Value/Industrie/Real Assets vs. Tech) leben können.

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