Pendlerinnen und Pendler in Hessen müssen sich erneut auf massive Einschränkungen einstellen. Die Gewerkschaft ver.di hat für Dienstag zu ganztägigen Arbeitsniederlegungen im kommunalen Nahverkehr aufgerufen. Betroffen sind unter anderem Frankfurt am Main, Wiesbaden, Marburg, Kassel und Gießen.
Es ist bereits der zweite groß angelegte Warnstreik in diesem Monat – und die Fronten im Tarifkonflikt bleiben verhärtet.
Stillstand von der Frühschicht an
Nach Angaben der Gewerkschaft beginnt der Streik jeweils mit der Frühschicht und endet erst mit Abschluss der letzten Schicht – selbst wenn diese bis in die Nacht oder den Folgetag hineinreicht. Aufgerufen sind unter anderem die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF), die ESWE Verkehr, die Kasseler Verkehrsgesellschaft, die Stadtwerke Gießen sowie die Marburger Verkehrsgesellschaft.
In vielen Städten dürften U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse weitgehend ausfallen. Besonders drastisch sind die Ankündigungen aus Kassel: Nach aktuellem Stand sollen dort weder Busse noch Trams verkehren. Auch die RegioTram ist betroffen, da Leitstelle und Werkstätten in die Arbeitsniederlegung einbezogen sind – ohne deren Personal ist ein sicherer Betrieb nicht möglich.
Streit um Zulagen und Arbeitsbedingungen
Im Mittelpunkt des Konflikts stehen nicht die Grundgehälter, sondern tarifliche Arbeitsbedingungen im Manteltarifvertrag. Verdi wirft den Arbeitgebern vor, bei bestehenden Zulagen sparen zu wollen. Konkret geht es um eine Zulage zur Mitarbeitergewinnung, die künftig mit Tariferhöhungen verrechnet werden soll. Auch eine seit Langem geltende Aufstockung des Krankengeldes steht offenbar zur Disposition.
Verdi-Verhandlungsführer Jochen Koppel kündigte an, mit dem erneuten Streik den Druck erhöhen zu wollen. Man sei nicht bereit, „tariflich erprobte Vereinbarungen zu opfern“. Von der Arbeitgeberseite erwarte man bei der nächsten Verhandlungsrunde ein Entgegenkommen.
Ersatzangebote und Ausweichrouten
Einige regionale Bus- und Bahnverbindungen, die nicht von den bestreikten kommunalen Betrieben betrieben werden, sollen weiterhin fahren. In Kassel kündigten die Verkehrsbetriebe an, gemeinsam mit Partnerunternehmen ein begrenztes Ersatzangebot bereitzustellen. Dennoch müssen Fahrgäste mit erheblichen Verzögerungen, Umwegen und überfüllten Alternativen rechnen.
Nächste Runde steht bevor
Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 25. Februar angesetzt. Dann soll es insbesondere um die Eingruppierung einzelner Tätigkeiten gehen. Ob die Gespräche zu einer Annäherung führen oder weitere Streiks drohen, bleibt offen.
Für viele Pendler bedeutet der Dienstag vor allem eines: Geduld, Flexibilität – und die Suche nach Alternativen zum gewohnten Weg zur Arbeit.