Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums haben amerikanische Militärkräfte einen sanktionierten Öltanker im Indischen Ozean geentert, nachdem sie das Schiff über Wochen hinweg vom Karibischen Meer aus verfolgt hatten. Der Vorfall unterstreicht die verschärfte Durchsetzung von US-Sanktionen gegen den illegalen Ölhandel und zeigt, wie weitreichend die militärischen und geheimdienstlichen Kapazitäten der Vereinigten Staaten inzwischen eingesetzt werden.
Bei dem Schiff handelt es sich um den Tanker Aquila II, der unter panamaischer Flagge fährt und bereits zuvor von den USA sanktioniert worden war. Laut Pentagon wurde eine sogenannte „Right-of-Visit“-Operation durchgeführt, also eine maritime Kontroll- und Interventionsmaßnahme, die nach internationalem Seerecht unter bestimmten Voraussetzungen zulässig ist. Ob das Schiff formell beschlagnahmt wurde, ließen die US-Behörden offen.
Besondere Aufmerksamkeit erregt der Fall, weil die Aquila II offenbar Teil einer sogenannten Schattenflotte ist. Solche Tanker werden häufig eingesetzt, um Sanktionen zu umgehen, indem sie unter falschen Flaggen fahren, ihre Eigentümerstrukturen verschleiern oder – wie in diesem Fall – über längere Zeiträume hinweg ihre Ortungssysteme abschalten. Dieses Vorgehen, bekannt als „Running Dark“, gilt als typisches Merkmal des illegalen Ölhandels.
Nach Einschätzung von Samir Madani, Mitbegründer der Analyseplattform TankerTrackers.com, gehörte die Aquila II zu mindestens 16 Tankern, die im vergangenen Monat die venezolanische Küste verlassen hatten. Seine Organisation verfolgt solche Schiffe mithilfe von Satellitenbildern und Fotografien. Offizielle US-Stellen bestätigten jedoch nicht, ob der Tanker konkret mit venezolanischem Öl in Verbindung stand. Daten vom Montag zufolge war das Schiff zum Zeitpunkt der Enterung nicht mit Rohöl beladen.
Der Vorfall steht im größeren geopolitischen Kontext der jüngsten Entwicklungen in Venezuela. Seit der überraschenden Festnahme des langjährigen Präsidenten Nicolás Maduro Anfang Januar verfolgen die USA eine deutlich aggressivere Strategie zur Kontrolle der venezolanischen Ölproduktion und -distribution. Mehrere hochrangige Vertreter der Trump-Regierung machten deutlich, dass die Beschlagnahmung sanktionierter Tanker nicht nur der Durchsetzung von Recht und Ordnung dient, sondern auch als Einnahmequelle für den Wiederaufbau der venezolanischen Ölindustrie gesehen wird.
Das Pentagon betonte, die Aquila II habe gegen eine von Präsident Trump verhängte „Quarantäne“ für sanktionierte Schiffe in der Karibik verstoßen. „Sie ist geflohen, und wir sind ihr gefolgt“, hieß es in der Erklärung. Der Einsatz im Indischen Ozean verdeutlicht, dass sich sanktionierte Akteure nicht darauf verlassen können, außerhalb traditioneller Einsatzgebiete unbehelligt zu bleiben.