Bangladesch hat in den Handelsbeziehungen mit den USA einen wichtigen Erfolg erzielt: Washington wird künftig bestimmte Bekleidungs- und Textilprodukte aus Bangladesch von Zöllen befreien. Dies geht aus einer neuen Vereinbarung hervor, die am Montag bekannt gegeben wurde. Die Regelung betrifft insbesondere Waren, die mit in den USA hergestellten Materialien produziert werden, etwa amerikanischer Baumwolle oder synthetischen Fasern.
Darüber hinaus senken die Vereinigten Staaten ihren allgemeinen Zollsatz auf Importe aus Bangladesch von bislang 20 % auf 19 %. Im Gegenzug erklärt sich Dhaka bereit, seinen Markt stärker für amerikanische Agrar- und Industrieprodukte zu öffnen. Beide Seiten sprechen von einem Abkommen, das die wirtschaftlichen Beziehungen vertiefen und einen beispiellosen Marktzugang ermöglichen soll.
Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist das Rückgrat der bangladeschischen Wirtschaft. Sie macht mehr als 80 % der Exporterlöse des Landes aus und beschäftigt rund vier Millionen Menschen. Bangladesch ist nach China der zweitgrößte Bekleidungsexporteur der Welt. Entsprechend groß ist die Bedeutung jeder Zolländerung für das Land – sowohl für die Staatsfinanzen als auch für die soziale Stabilität.
Die neuen Ausnahmen gelten für bestimmte Kleidungs- und Textilwaren, deren Umfang sich daran orientiert, wie viele Textilien die USA nach Bangladesch exportieren. Ziel ist es, amerikanische Vorprodukte stärker in globale Lieferketten einzubinden und gleichzeitig Bangladeschs Schlüsselindustrie zu stützen.
Im Gegenzug verpflichtet sich Bangladesch, „signifikanten bevorzugten Marktzugang“ für zahlreiche US-Produkte zu gewähren. Dazu zählen Chemikalien, medizinische Geräte, Autoteile sowie Agrarprodukte wie Soja und Fleisch. Zudem wird Bangladesch amerikanische Standards bei Lebensmittel-, Arzneimittel- und Fahrzeugsicherheit anerkennen, was den Markteintritt für US-Unternehmen erleichtern dürfte.
Teil des Abkommens sind auch politische und soziale Zusagen. Bangladesch erklärte, international anerkannte Arbeitsrechte einzuhalten, Umweltstandards zu verbessern und bestehende Verpflichtungen zum Kauf von US-Agrarprodukten, Flugzeugen und Energie im Wert von mehreren Milliarden Dollar einzuhalten.
Das Abkommen kommt zu einem politisch sensiblen Zeitpunkt: Bangladesch steht kurz vor Parlamentswahlen und wird seit 2024 von einer Übergangsregierung geführt. International wird die Entwicklung genau beobachtet.
Mit der neuen Zollregelung nähert sich Bangladesch dem US-Zollniveau seines regionalen Konkurrenten Indien an, der derzeit mit 18 % belastet wird. Beide Länder konkurrieren vor allem im Export von Kleidung, Schuhen und Agrarprodukten – nun jedoch unter veränderten Vorzeichen.