Nach mehreren Tagen intensiver Kämpfe zwischen der syrischen Armee und kurdischen Einheiten in der Stadt Aleppo ist am Morgen eine vom syrischen Verteidigungsministerium verkündete Waffenruhe ausgelaufen. Die Feuerpause galt für die mehrheitlich kurdisch kontrollierten Viertel wie Aschrafijeh und sollte bewaffneten Gruppen die Möglichkeit geben, sich geordnet zurückzuziehen. Doch das fragile Abkommen steht unter starker Kritik.
Die Konflikte zwischen den Regierungstruppen und den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF), die aus kurdischen YPG-Einheiten bestehen, flammten Anfang der Woche erneut auf. Grund ist die stockende Integration kurdischer Strukturen in das staatliche System Syriens. Ein entsprechendes Abkommen liegt seit Monaten auf Eis. In den vergangenen Tagen forderten die Gefechte nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 43 Todesopfer, darunter 23 Zivilisten, auch Kinder.
Im Rahmen der Feuerpause hatte die Regierung gefordert, dass alle bewaffneten Gruppen die Stadtviertel räumen. Ein sicherer Abzug mit leichten Waffen wurde zugesichert. Busse für den Abtransport standen bereit, doch laut offiziellen Stellen kam es zunächst zu keiner Bewegung. Erst am Morgen meldeten Augenzeugen die Präsenz der Transportfahrzeuge in den betroffenen Stadtteilen. Kurdische Kreise bestätigten daraufhin den Abzug, warfen der Übergangsregierung jedoch „Assad-Methoden“ vor. Belagerung, Beschuss und Vertreibung erinnerten stark an die Taktiken des früheren Regimes unter Baschar al-Assad.
Diese Strategie war bereits während des syrischen Bürgerkriegs vielfach angewandt worden: Nach langen Belagerungen wurden Rebellen und Zivilisten zur Aufgabe gezwungen und in Bussen in andere Regionen abgeschoben – oft unter dem Deckmantel von sogenannten „Versöhnungsabkommen“.
Die aktuellen Ereignisse in Aleppo zeigen, wie fragil die politische Ordnung in Syrien auch nach dem offiziellen Ende des Assad-Regimes bleibt. Insbesondere das Verhältnis zwischen der neuen Zentralregierung und den kurdischen Selbstverwaltungsstrukturen bleibt gespannt. Für viele Kurden wirken die jüngsten Maßnahmen wie eine Fortsetzung altbekannter Repressionsmuster, diesmal unter neuer Führung.
Die Zukunft Aleppos – und die des syrisch-kurdischen Verhältnisses – hängt nun maßgeblich davon ab, ob ein echter politischer Dialog zustande kommt. Andernfalls droht ein erneutes Aufflammen des Konflikts.