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Zurück ins Wartezimmer? CSU will telefonische Krankschreibung wieder abschaffen

15675001 (CC0), Pixabay

Die telefonische Krankschreibung steht erneut auf dem politischen Prüfstand. Die CSU-Landesgruppe fordert ihre Abschaffung und will damit zu früheren Regeln zurückkehren. Der Vorstoß ist Teil eines Entwurfs für die Klausurtagung der CSU-Landesgruppe am Dreikönigstag im oberbayerischen Kloster Seeon. Begründet wird die Initiative mit einem deutlich gestiegenen Krankenstand, der nach Ansicht der Partei die Wirtschaft zunehmend belastet.

Regelung aus der Pandemie soll fallen

Die Möglichkeit, sich telefonisch krankschreiben zu lassen, war während der Corona-Pandemie eingeführt worden, um Arztpraxen zu entlasten und Infektionsrisiken zu senken. Ende 2023 wurde sie dauerhaft in das System übernommen. Nun will die CSU diese Regelung wieder streichen.

Aus einem internen Papier, aus dem die „Augsburger Allgemeine“ zitiert, geht hervor, dass die Zahl der Fehltage seit Einführung der telefonischen Krankschreibung um rund 40 Prozent gestiegen sei. „Diesen Zustand, der unsere Wirtschaft zunehmend belastet, wollen wir beenden“, heißt es in dem Entwurf.

CSU sieht Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr

CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann bekräftigte die Forderung und stellte sie in einen größeren wirtschaftspolitischen Zusammenhang. Deutschland müsse seine Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen und dürfe international nicht weiter zurückfallen. Wer krank sei, solle sich künftig wieder persönlich in einer Arztpraxis vorstellen müssen, um eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu erhalten.

Die CSU argumentiert, dass eine strengere Handhabung der Krankschreibung zu mehr Disziplin im System beitragen und Fehlanreize abbauen könne.

Hoher Krankenstand im internationalen Vergleich

Tatsächlich liegt der Krankenstand in Deutschland hoch. Nach einer Untersuchung der OECD fehlten Beschäftigte hierzulande im Jahr 2022 durchschnittlich an 25 Tagen krankheitsbedingt – der höchste Wert unter den untersuchten Industrieländern. Diese Zahl wird von der CSU als Beleg dafür angeführt, dass dringender Handlungsbedarf besteht.

Experten widersprechen CSU-Deutung

Fachleute und Vertreter von Krankenkassen sehen die Ursachen jedoch differenzierter. Nach ihrer Einschätzung ist die telefonische Krankschreibung nicht der Hauptgrund für den sprunghaften Anstieg der Krankmeldungen. Vielmehr verweisen sie auf eine organisatorische Änderung seit 2022: Ärztinnen und Ärzte sind seither verpflichtet, ausgestellte Krankmeldungen direkt an die Krankenkassen zu übermitteln.

Vor allem kurze Erkrankungen seien zuvor häufig gar nicht bei den Kassen registriert worden. Der Anstieg der Zahlen könne daher zumindest teilweise auf eine vollständigere Erfassung zurückzuführen sein – nicht zwingend auf mehr tatsächliche Krankheitsfälle.

Debatte zwischen Wirtschaft und Gesundheitsversorgung

Die Forderung der CSU hat eine neue Debatte ausgelöst: zwischen dem Wunsch nach weniger Arbeitsausfällen und der Frage nach einem modernen, niedrigschwelligen Zugang zur medizinischen Versorgung. Kritiker befürchten, dass eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung Arztpraxen wieder stärker belasten und für erkrankte Beschäftigte zusätzliche Hürden schaffen könnte.

Ob die CSU mit ihrem Vorstoß bundesweit Gehör findet, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Diskussion um Krankmeldungen, Arbeitsausfälle und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit dürfte in den kommenden Monaten weiter an Schärfe gewinnen.

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