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Zwischen Schock und Verantwortung: Biathlon-Welt trauert um Sivert Guttorm Bakken

geralt (CC0), Pixabay

Der plötzliche Tod des norwegischen Biathleten Sivert Guttorm Bakken hat die internationale Wintersportwelt tief erschüttert. Besonders schwer wiegt der Verlust für seinen engen Freund und Teamkollegen Johan-Olav Botn, der Bakken kurz vor Weihnachten tot in dessen Hotelzimmer im italienischen Lavazè fand. Nun hat Botn erstmals über den Moment gesprochen, der sich unauslöschlich in sein Gedächtnis eingebrannt hat.

Eigentlich wollten die beiden an jenem Morgen gemeinsam trainieren. Als Botn gegen 9 Uhr bei seinem Teamkollegen vorbeischaute, um Ausrüstung aus dem Auto zu holen, endete der Alltag abrupt. Bakken lag leblos in seinem Zimmer. Für Botn war sofort klar, dass jede Hilfe zu spät kam. Er beschreibt den Augenblick als Zustand völliger Leere, begleitet von Panik und einem Schock, der jede Emotion überlagerte. Man funktioniere nur noch, versuche instinktiv zu helfen, obwohl man innerlich bereits begreife, was geschehen sei.

Bakken, erst 27 Jahre alt, hatte sich gemeinsam mit weiteren norwegischen Athleten zu einem Trainingslager in Italien aufgehalten. Bei seinem Tod trug er eine Höhenmaske, ein im Leistungssport etabliertes Hilfsmittel. Die genaue Todesursache ist weiterhin ungeklärt, die Ergebnisse der Obduktion werden erst in einigen Wochen erwartet. Botn mahnte eindringlich zur Zurückhaltung und bat darum, bis zum Abschluss der Ermittlungen auf Spekulationen zu verzichten. Er betonte, dass Bakken sich an alle geltenden Regeln gehalten habe und keine illegalen Methoden genutzt worden seien.

Für Botn selbst begann nach dem Vorfall eine schwere Zeit. Die Weihnachtstage seien von Trauer und innerer Zerrissenheit geprägt gewesen. Er spricht offen darüber, dass ihn Bilder verfolgen, mit denen er lernen müsse zu leben. Unterstützung findet er in professioneller psychologischer Betreuung, die ihm hilft, einen Umgang mit dem Erlebten zu finden. Besonders belastend sei für ihn das Gefühl einer stillen Verantwortung, weil er der Erste war, der Bakken fand.

Seine Gedanken gelten bis heute vor allem der Familie des Verstorbenen. Zu Bakkens Eltern hält Botn engen Kontakt und plant, sie in den kommenden Wochen persönlich zu treffen. Der Verlust sei für sie unermesslich, sagt er, und dieses Bewusstsein begleite ihn täglich.

Trotz der Trauer hat Botn eine klare Entscheidung getroffen. Er will seine Karriere fortsetzen, auch und gerade im Andenken an seinen Freund. Bakken habe den Biathlonsport geliebt und nach einer langen Pause mit großer Entschlossenheit den Weg zurück an die Weltspitze gesucht. Aufzugeben wäre für Botn ein Verrat an diesem gemeinsamen Traum. Stattdessen sieht er seine Motivation heute klarer denn je. Training und Routine geben ihm Halt und Struktur in einer Zeit, in der vieles sinnlos erscheint.

Der Tod von Sivert Guttorm Bakken reißt eine schmerzhafte Lücke, sportlich wie menschlich. Für Johan-Olav Botn bleibt die Erinnerung an einen engen Weggefährten, dessen Ehrgeiz und Leidenschaft nun Antrieb geworden sind, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

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