Nach dem militärischen Eingreifen der Vereinigten Staaten in Venezuela und der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte wächst in Europa die Sorge vor weitreichenden geopolitischen Folgen. Während enge Verbündete Maduros wie Russland und Iran ihre Unterstützung für das südamerikanische Land bekräftigen, reagieren europäische Regierungen mit deutlicher Zurückhaltung und eindringlichen Appellen an Washington.
Die Bundesregierung erklärte, man beobachte die Entwicklung mit größter Sorge. Im Auswärtigen Amt trat der Krisenstab zusammen, um die Lage zu bewerten. Noch sei vieles unübersichtlich, hieß es, insbesondere mit Blick auf die Sicherheit vor Ort. Deutschland stehe in engem Kontakt mit seiner Botschaft in Caracas und stimme sich intensiv mit internationalen Partnern ab. Die diplomatischen Bemühungen zielen darauf ab, ein weiteres Aufflammen der Gewalt zu verhindern und mögliche Folgen für deutsche Staatsangehörige frühzeitig abzufedern.
Auch auf europäischer Ebene ist die Besorgnis groß. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas rief nach einem Gespräch mit US-Außenminister Marco Rubio zur Zurückhaltung auf. Zwar bekräftigte sie die bekannte Position der Europäischen Union, wonach Nicolás Maduro die demokratische Legitimität fehle, zugleich mahnte sie jedoch mit Nachdruck die Einhaltung des Völkerrechts an. Unter allen Umständen müssten die Grundsätze der UN-Charta respektiert werden, erklärte Kallas. Die Sicherheit europäischer Bürgerinnen und Bürger in Venezuela habe dabei höchste Priorität.
In eine ähnliche Richtung äußerte sich EU-Ratspräsident António Costa. Er warnte vor einer weiteren Eskalation und betonte, dass Lösungen nur unter vollständiger Achtung des Völkerrechts und der in der Charta der Vereinten Nationen verankerten Prinzipien gefunden werden dürften. Die Europäische Union werde sich weiterhin für einen friedlichen, demokratischen und inklusiven Übergang in Venezuela einsetzen, erklärte Costa.
Besonders deutlich fiel die Reaktion aus Spanien aus. Die Regierung in Madrid forderte die USA offen zur Mäßigung auf und unterstrich, dass militärisches Handeln nicht über geltendes internationales Recht gestellt werden dürfe. Spanien bot zugleich seine Unterstützung für eine diplomatische Lösung an und sprach sich für Verhandlungen aus, die zu einer schrittweisen Entspannung der Lage führen könnten. Ministerpräsident Pedro Sánchez appellierte ebenfalls an verantwortungsvolles Handeln aller Beteiligten.
Auch andere europäische Staaten beobachten die Situation mit wachsender Aufmerksamkeit. Die Niederlande erklärten, man stehe in engem Austausch mit der eigenen Botschaft, dem Verteidigungsministerium und Partnerländern, insbesondere mit Blick auf die Sicherheit niederländischer Staatsangehöriger. Angesichts der geografischen Nähe mehrerer zum Königreich der Niederlande gehörender Karibikinseln ist die Sorge vor regionalen Auswirkungen besonders ausgeprägt. Polen kündigte an, die Zahl seiner Bürger in Venezuela zu überprüfen, betonte jedoch, dass bislang keine Hilfegesuche vorlägen.
Während Europa mahnt und zur Deeskalation aufruft, kommt aus anderen Teilen der Welt ein gänzlich anderes Echo. Argentiniens Präsident Javier Milei begrüßte die Festsetzung Maduros offen und feierte sie als Fortschritt für die Freiheit. Der ultraliberale Staatschef gilt als entschiedener Gegner der bisherigen venezolanischen Führung und als enger Verbündeter der US-Regierung unter Donald Trump.
Die unterschiedlichen Reaktionen verdeutlichen die Brisanz des US-Vorgehens. In Europa überwiegt die Sorge, dass ein militärischer Alleingang die fragile Lage in Venezuela weiter destabilisieren und internationale Spannungen verschärfen könnte. Die eindringlichen Appelle an die Einhaltung der UN-Charta richten sich dabei weniger an Caracas als vielmehr an Washington und unterstreichen die wachsende Nervosität angesichts einer Eskalation mit ungewissem Ausgang.