Es grenzt an ein Wunder, dass ein siebenjähriger Junge aus Berlin die Silvesternacht 2024/25 überlebt hat. Eine illegal gezündete Kugelbombe explodierte unmittelbar vor ihm und verletzte ihn lebensgefährlich. Heute, fast ein Jahr später, ist klar: Der Junge hat überlebt – nach einem monatelangen Kampf, mehr als 40 Operationen und einer langen Reha.
Die Explosion ereignete sich kurz nach Mitternacht auf einem Platz im Berliner Stadtteil Tegel. Der Junge war mit seiner Familie nach draußen gegangen, um das Feuerwerk zu beobachten. Dann der Knall, Dunkelheit, Chaos. Die Kugelbombe explodierte zwischen seinen Beinen. Er verlor massiv Blut und brach zusammen. Seine letzten Worte vor der Bewusstlosigkeit sollen gewesen sein: „Ich glaube, ich sterbe jetzt.“
Dank schneller Hilfe von Anwesenden und der Nähe zur Charité wurde das Kind rechtzeitig in eine Spezialklinik gebracht. Dort kämpften Ärztinnen und Ärzte tagelang um sein Leben. Die Verletzungen waren extrem: zertrümmerte Knochen, schwere Weichteilschäden, Verbrennungen, später sogar eine Hirnblutung. Über einen Monat lag der Junge im künstlichen Koma, zeitweise mit Beatmung, Luftröhrenschnitt und künstlichem Darmausgang.
Die behandelnden Mediziner sprechen von Verletzungen, wie man sie sonst aus Kriegs- oder schweren Explosionsszenarien kennt. Dass der Junge überlebte und seine Beine gerettet werden konnten, sei außergewöhnlich. Nach Monaten auf der Intensivstation und weiteren Wochen in der Rehabilitation konnte er im Frühjahr das Krankenhaus verlassen.
Heute ist der Junge wieder in der Schule. Er kann laufen, lacht viel und wirkt nach außen fröhlich. Doch die Spuren des Unglücks bleiben: große Narben an den Beinen, regelmäßige Nachuntersuchungen und psychische Folgen. Nachts kann er nicht allein schlafen, er wird traumatherapeutisch betreut.
Die Familie fordert Konsequenzen. Kugelbomben seien keine harmlosen Feuerwerkskörper, sondern hochgefährliche Sprengsätze. Dass sie immer wieder illegal gezündet werden, sei kein Schicksal, sondern ein gesellschaftliches und politisches Versagen. Ziel müsse sein, solche Taten konsequent zu verfolgen und besser über die lebensgefährlichen Risiken aufzuklären.
Den kommenden Jahreswechsel wird die Familie nicht in Deutschland verbringen. Zu groß ist die Angst, zu nah die Erinnerungen. Der Wunsch ist klar: Kein anderes Kind soll erleben müssen, was dieser Junge und seine Familie durchgemacht haben.