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„Boom exotischer Haustiere bringt Tierheime in Bedrängnis: Auffangstationen in Schleswig-Holstein am Limit“

gayleenfroese2 (CC0), Pixabay

Exotische Haustiere wie Schlangen, Schildkröten oder Wildkatzen erfreuen sich in Schleswig-Holstein wachsender Beliebtheit. Doch was für viele Halter zunächst faszinierend wirkt, entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften Problem für Tierheime und Artenschutzzentren. Immer häufiger landen diese Tiere am Ende in Auffangstationen – oft unter schlechten gesundheitlichen Bedingungen und ohne realistische Perspektive auf eine Weitervermittlung.

„Die Lage ist so schlimm wie seit zwei, drei Jahren nicht mehr“, sagt Patrick Bouncour vom Tierschutzzentrum Weidefeld bei Kappeln im Kreis Schleswig-Flensburg. Die Einrichtungen seien zunehmend überlastet. „Wir sind nicht das Sammelbecken der Nation“, betont Bouncour. Die Unterbringung exotischer Tiere sei eigentlich nur als kurzfristige Notfalllösung gedacht, entwickle sich jedoch immer öfter zu einer dauerhaften Aufgabe.

Nach Angaben des Tierschutzbund Schleswig-Holstein stoßen Tierheime und spezialisierte Auffangstationen landesweit an ihre Kapazitätsgrenzen. Exotische Tiere stellen dabei eine besondere Herausforderung dar, da sie spezielle Haltungsbedingungen benötigen, teilweise gefährlich sind oder strengen artenschutzrechtlichen Vorgaben unterliegen.

Trendtiere, Onlinehandel und fehlende Weitsicht

Bouncour sieht die Ursachen in einem Zusammenspiel aus mangelnder Vorbereitung und wirtschaftlichen Interessen. Besonders bei sogenannten Trend-Zuchtlinien – etwa bei Königspythons – steigen viele Züchter ein, solange hohe Gewinne winken. Kippt der Markt, sinken die Preise drastisch, und die Tiere werden günstig über Onlineplattformen verkauft. Viele Käufer unterschätzen jedoch den Platzbedarf, die Kosten und den Pflegeaufwand solcher Exoten.

Ein besonders aufwendiger Fall ist aktuell ein Serval, der im Tierschutzzentrum Weidefeld untergebracht ist. Servale sind sehr scheu, brauchen große Rückzugsräume und artgerechte Gehege. Für das Tier muss derzeit eine spezielle Voliere umgebaut werden – Kostenpunkt rund 35.000 Euro, finanziert ausschließlich durch Spenden. Solche Projekte binden enorme finanzielle Mittel und blockieren Flächen, die andernorts dringend benötigt würden.

Beschlagnahmte Tiere belasten Artenschutzzentren

Auch das Artenschutzzentrum Pinneberg meldet eine steigende Zahl an behördlich beschlagnahmten Tieren. Jüngstes Beispiel sind 13 stark verwahrloste **Silberfuchs**e, für die bislang kaum geeignete Unterbringungsmöglichkeiten existieren. Solche Tiere können weder kurzfristig vermittelt noch ohne Weiteres ausgewildert werden – ihre Versorgung bindet Personal, Zeit und Geld über Jahre hinweg.

Forderung nach strengeren Regeln

Zwar ist die Zucht und Haltung vieler Wildtiere unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, doch Tierschützer halten die bestehenden Regelungen für unzureichend. Patrick Bouncour fordert strengere Kontrollen, eine lückenlose Nachverfolgbarkeit der Herkunft – insbesondere im Onlinehandel – sowie klarere Vorgaben für private Halter.

Der Tierschutzbund Schleswig-Holstein geht noch weiter und verlangt eine Registrierungspflicht für alle privat gehaltenen Tiere. Zudem sprechen sich die Verbände für eine bundeseinheitliche Regelung aus. Ein zentrales Element könnte eine sogenannte Positivliste sein, die klar festlegt, welche exotischen Tiere überhaupt in Privathaushalten gehalten werden dürfen.

Gleichzeitig richten die Tierschützer einen eindringlichen Appell an Interessierte: Vor der Anschaffung eines exotischen Tieres müsse ehrlich geprüft werden, ob man dessen Bedürfnisse langfristig erfüllen könne. Andernfalls zahlen nicht nur die Tiere den Preis – sondern auch die ohnehin überlasteten Auffangstationen im Land.

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