Der Konflikt um die Mittelmeerinsel Zypern verschärft sich weiter: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat erneut bekräftigt, dass er eine dauerhafte Teilung der Insel für die einzig realistische Lösung hält. Seine Aussage erfolgte unmittelbar nach einem Treffen mit dem neuen Präsidenten der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern (TRNZ), Tufan Erhürman – und trifft dessen politische Agenda ins Mark.
Erdogan setzt auf Zwei-Staaten-Lösung – und ignoriert internationale Positionen
Erdogan erklärte:
„Wir glauben, dass die realistischste Lösung für die Zypernfrage in der Koexistenz zweier Staaten auf der Insel liegt.“
Damit stellt sich Ankara klar gegen die UN, die EU und die überwältigende Mehrheit der internationalen Gemeinschaft, die weiterhin auf ein bizonales, bikommunales Föderationsmodell drängen – also eine Wiedervereinigung unter einem gemeinsamen Staatsdach.
Für Erdogan dagegen hat die Teilung von 1974 längst eine innenpolitisch nützliche Dauerform angenommen:
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Der Norden bleibt stabil an die Türkei gebunden,
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Ankara sichert sich strategisch Einfluss im östlichen Mittelmeer,
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und Erdogan kann sich als Garant der türkischsprachigen Bevölkerung inszenieren.
Erhürman: Ein Präsident, der eigentlich versöhnen will
Der neue Präsident Nordzyperns, Tufan Erhürman, verfolgt eine deutlich moderatere, pro-dialogorientierte Politik:
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Er unterstützt eine Wiedervereinigung der Insel,
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möchte die eingefrorenen Verhandlungen mit Nikosia wieder aufnehmen,
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und sieht die Zukunft Nordzyperns langfristig eher im europäischen Rahmen als nur unter türkischer Abhängigkeit.
Dass Erdogan ihm bereits beim ersten Treffen öffentlich widerspricht, gilt als klare politische Machtdemonstration Ankaras.
Innenpolitische Machtprobe: Nordzypern zwischen Ankara und eigener Zukunft
Die TRNZ ist außenpolitisch vollständig auf die Türkei angewiesen – sie ist der einzige Staat, der sie anerkennt. Dennoch wächst im Norden seit Jahren das Unbehagen darüber, dass Ankara politischen Druck ausübt und tief in Verwaltungs-, Bildungs- und Wirtschaftsstrukturen eingreift.
Erhürmans Kurs könnte daher zu einer neu entfachten innenpolitischen Auseinandersetzung führen:
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Zwischen Befürwortern enger Bindung an die Türkei
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und jenen, die eine Lösung auf Grundlage internationaler Verhandlungen anstreben.
Warum Erdogans Haltung die Lage weiter verhärtet
Eine Zwei-Staaten-Lösung ist derzeit praktisch ausgeschlossen:
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Die EU erkennt ausschließlich die Republik Zypern an.
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Eine Anerkennung Nordzyperns würde völkerrechtliche Präzedenzfälle schaffen.
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Die griechisch-zyprische Seite lehnt jede Teilung strikt ab.
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Der UN-Sicherheitsrat setzt weiterhin auf Wiedervereinigungsgespräche.
Erdogan weiß das – und nutzt die Situation dennoch, um seinen regionalen Einfluss auszubauen.
Was als Nächstes passieren könnte
Politische Analysten sehen mehrere mögliche Entwicklungen:
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Verhärtung der Fronten:
Erdogans Aussagen könnten die Chancen auf neue Verhandlungen für Jahre blockieren. -
Belastung des EU-Türkei-Verhältnisses:
Zypern ist seit jeher ein Reizthema – und Erdogans Kurs verschärft die Spannungen. -
Innenpolitischer Druck auf Erhürman:
Der neue Präsident gerät zwischen seinen Wiedervereinigungszielen und den Erwartungen der Türkei. -
Neues Konfliktpotenzial im östlichen Mittelmeer:
Öl- und Gasvorkommen sowie Seegrenzen sorgen schon seit Jahren für zusätzliche Spannungen.