Deutschland erlebt eine Trendwende, die Wirtschaftsexperten seit Monaten befürchtet hatten: Die Zahl der überschuldeten Menschen nimmt wieder zu – und das erstmals seit dem Jahr 2018. Laut dem neuen Schuldneratlas 2025 der Wirtschaftsauskunftei Creditreform sind aktuell fast 5,7 Millionen Erwachsene nicht mehr in der Lage, ihre finanziellen Verpflichtungen dauerhaft zu erfüllen.
Das entspricht einem Anstieg von rund 110.000 Personen innerhalb eines Jahres. Damit hat sich die Überschuldungsquote bundesweit erneut erhöht.
Krisenjahre hinterlassen tiefe Spuren
Creditreform macht die Entwicklung klar an einer Ursache fest: Es sind die wirtschaftlichen Belastungen der letzten Jahre, die die Haushalte eines Großteils der Bevölkerung erschüttert haben. Inflation, steigende Lebenshaltungskosten, höhere Mieten, die Energiekrise und wirtschaftliche Unsicherheit hätten die privaten Budgets vieler Menschen aufgezehrt.
Viele Deutsche leben seit Monaten – oder Jahren – am finanziellen Anschlag. Rücklagen, die zuvor mühsam aufgebaut wurden, sind inzwischen vollständig aufgebraucht.
„Die finanziellen Puffer sind leer“, sagt ein Studienautor. „Das macht Haushalte extrem verwundbar.“
Alle gesellschaftlichen Gruppen betroffen
Auffällig ist: Überschuldung betrifft längst nicht mehr nur einkommensschwache oder arbeitslose Menschen.
Der Schuldneratlas zeigt, dass sich die finanzielle Schieflage durch alle sozialen Gruppen zieht – auch durch jene, die früher als stabil galten.
Besonders betroffen sind:
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Selbstständige, die in der Flaute der letzten Jahre massive Einbrüche erlitten haben
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Angestellte mit durchschnittlichem Einkommen, deren Kosten schneller wachsen als ihr Gehalt
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Alleinerziehende, die kaum entlastet wurden
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Menschen über 60, die mit steigenden Ausgaben und kleinen Renten kämpfen
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Junge Erwachsene unter 30, die durch Konsumkredite, steigende Mieten und unsichere Jobs schneller in Zahlungsschwierigkeiten geraten
Die Experten sprechen von einer „breiten sozialen Durchdringung der Überschuldung“, die es so in den vergangenen Jahren nicht gegeben habe.
Große Unterschiede zwischen den Bundesländern
Einen deutlichen Nord-Süd-Gegensatz zeigt die regionale Verteilung:
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Bremen verzeichnet erneut die höchste Überschuldungsquote im Bundesvergleich.
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Sachsen-Anhalt liegt nur knapp dahinter – ein weiteres Zeichen für die strukturellen Probleme im Osten.
Demgegenüber stehen:
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Bayern
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Baden-Württemberg
Diese beiden süddeutschen Bundesländer befinden sich trotz Krise weiterhin in einer vergleichsweise stabilen finanziellen Lage, wobei stabile Arbeitsmärkte und höhere Durchschnittseinkommen eine zentrale Rolle spielen.
Warnsignal für 2026: Keine Trendwende in Sicht
Creditreform zeigt sich pessimistisch: Eine Verbesserung für das kommende Jahr sei nicht zu erwarten. Hintergrund ist, dass:
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die wirtschaftliche Entwicklung unsicher bleibt
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die Konsumneigung gering ist
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viele Menschen weiterhin teure Kredite bedienen müssen
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die Inflation zwar sinkt, aber auf zu hohem Niveau verharrt
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Millionen Haushalte keine Rücklagen mehr besitzen
„Das Vertrauen der Verbraucher ist angeschlagen – und ihre finanziellen Möglichkeiten sind es auch“, heißt es in der Studie.
Politik unter Handlungsdruck
Die Zahlen erhöhen den Druck auf die Regierung, Maßnahmen gegen Überschuldung und Armut zu ergreifen. Verbraucherschützer fordern:
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eine Reform des Insolvenzrechts,
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mehr Schuldnerberatungsstellen,
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einen Ausbau der Präventionsarbeit an Schulen
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Entlastungen für Haushalte mit niedrigen Einkommen.
Der Schuldneratlas 2025 liefert damit nicht nur statistische Daten – er ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die finanzielle Stabilität vieler deutscher Haushalte ins Wanken geraten ist.