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Ende eines Traums: US-Konkurrent Archer kauft Lilium-Patente für 18 Millionen Euro

568647 (CC0), Pixabay

Das einst gefeierte Münchner Flugtaxi-Start-up Lilium ist endgültig Geschichte – zumindest in Deutschland. Die Patente des insolventen Unternehmens wurden an den US-amerikanischen Wettbewerber Archer Aviation verkauft. Wie der Insolvenzverwalter Ivo-Meinert Willrodt mitteilte, erzielte der Verkauf einen Preis von rund 18 Millionen Euro. Damit übernimmt der kalifornische Flugtaxi-Hersteller über 300 Schutzrechte aus der Lilium-Insolvenzmasse.

Verkauf aus der Insolvenzmasse beschlossen

Die Gläubigerausschüsse der Lilium GmbH und der Lilium Aerospace GmbH stimmten dem Verkauf zu. Laut Willrodt habe sich Archer „nach langen Verhandlungen in einem komplexen Transaktionsprozess“ im Bieterwettbewerb durchgesetzt. Das US-Unternehmen, das ebenfalls auf elektrische Senkrechtstarter (eVTOLs) spezialisiert ist, zahlt nach eigenen Angaben 18 Millionen Euro – ein „niedriger bis mittlerer zweistelliger Millionenbetrag“, wie es in der Mitteilung des Insolvenzverwalters heißt.

Mit dem Deal sichert sich Archer nicht nur Liliums geistiges Eigentum, sondern auch wichtige technische Entwicklungen, auf die das deutsche Start-up in den vergangenen Jahren gesetzt hatte – darunter Antriebs- und Steuerungssysteme für elektrische Senkrechtstarter.

Vom Hoffnungsträger zur Insolvenz

Lilium galt einst als Pionier der Flugtaxi-Branche und als eines der vielversprechendsten deutschen Hightech-Start-ups. Gegründet im Jahr 2015 am Flughafen Oberpfaffenhofen bei München, wollte das Unternehmen mit seinem elektrischen Senkrechtstarter „Lilium Jet“ die urbane Mobilität revolutionieren.

Investoren aus aller Welt – darunter mehrere Großfonds – hatten insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro in die Entwicklung gesteckt. Doch trotz ambitionierter Ziele, aufsehenerregender Präsentationen und millionenschwerer Finanzierungsrunden blieb der kommerzielle Durchbruch aus.

Im Laufe der Zeit mehrten sich technische Probleme, Verzögerungen und Kritik an der Finanzplanung. Als schließlich auch staatliche Fördergelder ausblieben und Investoren kein weiteres Kapital bereitstellten, musste das Unternehmen im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden.

Archer auf dem Vormarsch

Der Käufer Archer Aviation Inc. zählt inzwischen zu den führenden Akteuren in der Flugtaxi-Industrie. Das Unternehmen mit Sitz im US-Bundesstaat Kalifornien arbeitet an eigenen eVTOL-Flugzeugen, die bereits mehrere Testflüge – teils auch bemannt – absolviert haben.

Auf der Website von Archer sind Videos dieser Testflüge zu sehen. Erste kommerzielle Einsätze seien demnach in Metropolen Indiens, Südkoreas und im arabischen Raum geplant. Eine Zulassung durch die US-Luftfahrtbehörde (FAA) soll in Kürze erfolgen.

Mit dem Erwerb des Lilium-Patentportfolios verfügt Archer nun über rund 1.000 Einzelpatente – ein bedeutender technologischer Vorteil im globalen Wettbewerb um das erste marktreife elektrische Flugtaxi.

Was bleibt von Lilium?

Für die Region München bedeutet der Verkauf das endgültige Aus eines der ambitioniertesten Luftfahrtprojekte Deutschlands. Lilium hatte lange als Symbol für Innovationskraft und die Zukunft der urbanen Luftmobilität gegolten – nun steht es für die Risiken junger Hightech-Unternehmen, die zwischen Vision, Kapitalbedarf und regulatorischen Hürden scheitern.

In den kommenden Monaten will Insolvenzverwalter Willrodt weitere Vermögenswerte von Lilium veräußern. Ob sich daraus noch Hoffnung auf eine Fortführung einzelner Unternehmensbereiche ergibt, ist fraglich.

Der Traum vom bayerischen Flugtaxi hebt vorerst nicht mehr ab – stattdessen fliegen die Patente nun über den Atlantik.

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