Wer einen Gebrauchtwagen im Internet kaufen möchte, sollte derzeit besonders vorsichtig sein. Die Polizei warnt vor einer Betrugsmasche, bei der Kriminelle mit vermeintlich günstigen Fahrzeugangeboten Interessenten anlocken. Die Inserate wirken häufig professionell, doch die angebotenen Autos existieren teilweise überhaupt nicht.
Besonders die Polizei in Pforzheim in Baden-Württemberg macht auf entsprechende Betrugsfälle aufmerksam. Die Täter bieten beispielsweise angebliche Unfallwagen oder auffallend günstige Gebrauchtwagen an. Hochwertige Fotos, ausführliche Fahrzeugbeschreibungen und ein zunächst freundlich auftretender Verkäufer sollen den Eindruck eines seriösen Angebots vermitteln.
Käufer sollen vor der Besichtigung Geld überweisen
Das eigentliche Ziel der Betrüger ist eine Vorauszahlung. Interessenten werden aufgefordert, eine Anzahlung zu überweisen, noch bevor sie das Fahrzeug persönlich gesehen haben. Dafür liefern die angeblichen Verkäufer unterschiedliche Erklärungen. Häufig wird zugleich Zeitdruck aufgebaut, etwa mit dem Hinweis, dass es weitere Interessenten gebe und das Fahrzeug nur gegen eine schnelle Zahlung reserviert werden könne.
Wer das Geld überweist, erlebt anschließend eine böse Überraschung: Das angebotene Auto existiert nicht oder gehört überhaupt nicht dem vermeintlichen Verkäufer. Der Kontakt bricht ab und das überwiesene Geld ist häufig nur schwer oder gar nicht zurückzuholen.
Professionelle Inserate machen Betrug schwer erkennbar
Die Täter gehen inzwischen äußerst professionell vor. Sie verwenden nicht nur überzeugende Fotos und Fahrzeugdaten, sondern teilweise auch gestohlene Identitäten und gefälschte oder missbräuchlich verwendete Dokumente. Dadurch können selbst erfahrene Autokäufer Schwierigkeiten haben, ein betrügerisches Angebot auf den ersten Blick zu erkennen.
Nach Einschätzung des Kraftfahrzeuggewerbes hat die Zahl solcher Fälle insbesondere in den vergangenen zwei bis drei Jahren deutlich zugenommen.
Auch große Fahrzeugplattformen wie AutoScout24, mobile.de und Kleinanzeigen beschäftigen sich mit dem Problem. Gemeinsam mit ADAC und Polizei wird im Rahmen der Initiative „Sicherer Autokauf im Internet“ über typische Betrugsmaschen aufgeklärt.
Extrem niedriger Preis sollte misstrauisch machen
Ein wichtiges Warnzeichen ist ein ungewöhnlich niedriger Kaufpreis. Kostet ein Fahrzeug erheblich weniger als vergleichbare Modelle mit ähnlichem Alter, Kilometerstand und vergleichbarer Ausstattung, sollten Interessenten besonders genau hinschauen.
Weitere Alarmzeichen sind Forderungen nach Anzahlungen, angeblich dringend notwendige Überweisungen oder Verkäufer, die eine persönliche Besichtigung immer wieder verhindern oder verschieben.
Autokäufer sollten sich nicht durch Aussagen unter Druck setzen lassen, wonach das Fahrzeug nur noch wenige Stunden verfügbar sei oder bereits zahlreiche andere Interessenten bereitstünden.
Fahrzeug vor dem Kauf persönlich überprüfen
Grundsätzlich sollte ein Gebrauchtwagen vor dem Kauf persönlich besichtigt werden. Auch eine Probefahrt gehört dazu. Käufer sollten außerdem Fahrzeugpapiere und weitere Unterlagen sorgfältig prüfen und kontrollieren, ob die Angaben zum Verkäufer und zum Fahrzeug zusammenpassen.
Größere Geldbeträge sollten nicht allein aufgrund eines Internetinserats im Voraus überwiesen werden. Besonders sicher ist es, die Bezahlung erst im Zusammenhang mit der tatsächlichen Fahrzeugübergabe und der Übergabe der dazugehörigen Dokumente vorzunehmen.
Auch manipulierte Kilometerstände und verschwiegene Unfallschäden bleiben ein Risiko
Neben vollständig erfundenen Fahrzeugangeboten gibt es beim Gebrauchtwagenkauf weitere Betrugsrisiken. Dazu gehören manipulierte Kilometerstände sowie verschwiegene Unfall- oder Vorschäden.
Ein äußerlich gepflegtes Fahrzeug und professionell wirkende Verkaufsunterlagen sind deshalb noch keine Garantie für ein seriöses Angebot.
Die wichtigste Regel beim Autokauf im Internet lautet daher: Kein Geld überweisen, bevor Fahrzeug, Verkäufer und Unterlagen überprüft wurden. Wird eine Besichtigung verhindert und gleichzeitig eine schnelle Anzahlung verlangt, sollte der Kauf abgebrochen werden.