Eine neue Umfrage der Bertelsmann-Stiftung zeigt ein klares Defizit bei der Mitbestimmung von Schülerinnen und Schülern im Unterricht. Mehr als 60 Prozent der Befragten gaben an, nur selten oder gar nicht Einfluss auf Unterrichtsthemen nehmen zu können. Viele Jugendliche erleben den Schulalltag daher als fremdbestimmt und wenig auf ihre eigenen Interessen zugeschnitten.
Besonders kritisch: Rund 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen sagten, dass sie keine Gelegenheit haben, ihren Lehrkräften Rückmeldung zu geben – weder darüber, welche Methoden sie als hilfreich empfinden, noch welche Themen oder Arbeitsweisen sie stören. Damit fehlt es an einem wichtigen Kommunikationskanal zwischen Lernenden und Lehrenden.
Bildungsexperten warnen, dass fehlende Partizipation nicht nur die Motivation senkt, sondern auch die Entwicklung wichtiger Kompetenzen hemmt. Wer im Unterricht nicht gefragt wird, lernt weniger, Verantwortung für eigenes Lernen zu übernehmen. Zudem verschenken Schulen Potenzial: Jugendliche könnten mit ihren Perspektiven und Interessen dazu beitragen, Inhalte lebensnaher und praxisorientierter zu gestalten.
Die Ergebnisse verdeutlichen ein strukturelles Problem: Viele Schulen arbeiten noch immer in sehr hierarchischen Strukturen, in denen Lehrkräfte den Ablauf dominieren. Doch gerade vor dem Hintergrund moderner Pädagogik wird gefordert, Lernende stärker einzubeziehen – etwa durch projektorientiertes Lernen, Wahlthemen, Feedbackgespräche oder Klassenräte. Solche Ansätze würden nicht nur das Selbstbewusstsein stärken, sondern auch demokratische Kompetenzen fördern.
Die Bertelsmann-Stiftung appelliert an Bildungspolitik und Schulen, Mitbestimmung ernster zu nehmen. Gerade in Zeiten, in denen Schulen auch Orte demokratischer Bildung sein sollen, müsse Jugendlichen das Gefühl vermittelt werden, dass ihre Stimmen zählen.