Die Krabbenfischerei an der Nordseeküste gehört seit Jahrhunderten zur maritimen Kultur Norddeutschlands. Doch die Branche steckt tief in der Krise. Strengere Naturschutzauflagen, die Energiewende auf See und schwindende Bestände setzen den Fischern zu. Vor allem kleine Familienbetriebe, die oft seit Generationen vom Krabbenfang leben, kämpfen ums Überleben.
Zahl der Kutter wird sich halbieren
Nach einer aktuellen Untersuchung des Thünen-Instituts für Seefischerei in Bremerhaven wird sich die Zahl der aktiven Krabbenkutter bis 2050 voraussichtlich mehr als halbieren. Die Gründe sind vielfältig:
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Naturschutzauflagen schränken die Fangmöglichkeiten zunehmend ein.
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Offshore-Windparks und Kabeltrassen beanspruchen immer größere Flächen in der Nordsee.
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Die Krabbenbestände sind seit 2016 um ein Viertel zurückgegangen.
Damit droht einer traditionsreichen Branche eine drastische Schrumpfung.
Alltag zwischen Hoffnung und Sorgen
Ein Beispiel ist Bettina Adam aus Friedrichskoog im Kreis Dithmarschen. Ihr Mann fährt mit dem Kutter hinaus, sie verkauft einen Teil des Fangs und engagiert sich als Vorsitzende des örtlichen Fischervereins. Sie kennt die Sorgen der Branche aus erster Hand: „Es gibt keinen, der die Gegebenheiten besser kennt als unsere Jungs dort draußen auf See.“
Das vergangene Jahr sei besonders schwierig gewesen: Die Ausbeute war extrem gering – nicht zuletzt, weil sich der Wittling, ein natürlicher Fressfeind der Krabbe, stark vermehrt hat. Trotzdem gibt sich Adam vorsichtig optimistisch für die kommende Saison.
Streit ums Wattenmeer
Ein zentraler Konfliktpunkt ist das Weltnaturerbe Wattenmeer.
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Naturschutzverbände werfen der Branche vor, mit bodenberührenden Netzen sensible Lebensräume zu zerstören.
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Die Fischer halten dagegen: Sie arbeiteten längst mit leichteren Fanggeräten, die Auswirkungen seien gering, das Ökosystem bleibe stabil.
Viele Krabbenfischer äußern sich nicht mehr öffentlich, aus Angst vor einem Shitstorm. Adam hingegen ergreift das Wort: „Die sehen die Schönheit auch und die wollen das nicht zerstören. Die wollen nur leben können.“
Wissenschaft versucht zu vermitteln
Zwischen den Fronten steht die Wissenschaft. Dr. Gerd Kraus vom Thünen-Institut hat zwischen 2018 und 2022 die Auswirkungen der Krabbenfischerei auf den Meeresboden untersucht. Sein Ergebnis:
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Ja, es gebe messbare Veränderungen auf dem Meeresboden.
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Diese seien jedoch gering und umkehrbar, sofern die Befischung nicht dauerhaft intensiv bleibe.
Für Kraus ist klar: Nur im Dialog zwischen Naturschutz, Politik und Fischern kann ein tragfähiger Kompromiss gefunden werden.
Strukturwandel unausweichlich
Experten fordern schon länger einen Strukturwandel in der Branche. Dazu gehören:
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Anpassung der Fangmethoden an strengere ökologische Vorgaben.
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Reduzierung der Flottenstärke, um den Bestand zu schonen.
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Direktvermarktung und Regionalität, damit Fischer höhere Preise für ihre Ware erzielen.
Ob es gelingt, die Krabbenfischerei zukunftsfähig zu machen, wird entscheidend sein – nicht nur für die Fischerfamilien an der Küste, sondern auch für das kulturelle Erbe der Nordsee.