Deutschland und Kanada wollen ihre Zusammenarbeit beim Abbau und der Lieferung sogenannter kritischer Rohstoffe deutlich intensivieren. Das vereinbarten Bundeskanzler Friedrich Merz und der kanadische Premierminister Mark Carney bei einem Spitzentreffen in Berlin.
Lithium und Seltene Erden im Fokus
Carney hob hervor, dass Kanada über umfangreiche Vorkommen an Lithium und Seltenen Erden verfügt. Beide Rohstoffgruppen gelten als unverzichtbar für zentrale Zukunftstechnologien – darunter Batterien für Elektrofahrzeuge, Energiespeicher, Smartphones und Komponenten für Windkraftanlagen. Gerade die Nachfrage nach Lithium steigt rasant, da es als Schlüsselrohstoff für die Elektromobilität gilt.
Hintergrund: Chinas Exportkontrollen
Die Vereinbarung kommt zu einem Zeitpunkt wachsender geopolitischer Spannungen. China, das den Weltmarkt bei Seltenen Erden mit großem Abstand dominiert, hatte im April Exportbeschränkungen für sieben Arten seltener Erden angekündigt. Damit verschärft sich die Sorge westlicher Staaten, zu stark von chinesischen Lieferungen abhängig zu sein.
Deutschland und die Europäische Union gelten in diesem Bereich als besonders verwundbar: Über 70 Prozent der Seltenen Erden in Europa stammen bislang aus China. Auch bei Lithium und anderen strategischen Rohstoffen bestehen große Abhängigkeiten.
Ziel: Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit
Mit der engeren Kooperation wollen Deutschland und Kanada eine strategische Diversifizierung erreichen. Das Abkommen umfasst neben der Rohstoffförderung auch den Ausbau von Lieferketten und den technologischen Austausch bei nachhaltigen Abbauverfahren.
„Wir wollen unsere Industrie unabhängiger machen und unsere Klimaziele erreichen, ohne dabei in neue Abhängigkeiten zu geraten“, betonte Kanzler Merz. Kanada wiederum sieht in Deutschland einen stabilen Absatzmarkt und Partner für den Aufbau umweltgerechter Förder- und Verarbeitungsstrukturen.
Bedeutung für Wirtschaft und Klimapolitik
Für die deutsche Industrie – insbesondere für die Automobilbranche, die Energiewirtschaft und die Hightech-Industrie – ist das Abkommen von erheblicher Tragweite. Ohne gesicherte Rohstoffversorgung sind viele Zukunftsprojekte in Gefahr.
Auch die Energiewende hängt von einem stabilen Zugang zu kritischen Rohstoffen ab: Windturbinen benötigen seltene Magnete, Solarmodule Spezialmetalle, Batterien Lithium und Nickel.
Nächste Schritte
In den kommenden Monaten sollen konkrete Projekte identifiziert werden. Im Gespräch sind kanadisch-deutsche Joint Ventures, Investitionen deutscher Unternehmen in kanadische Minenprojekte sowie ein regelmäßiger Rohstoffdialog zwischen beiden Regierungen.