Die Lebenserwartung in hochentwickelten Staaten wächst deutlich langsamer als in den Jahrzehnten zuvor. Das geht aus einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) hervor. Demnach zeigen alle aktuellen Prognosen, dass die zwischen 1939 und 2000 geborenen Jahrgänge im Durchschnitt zwar älter werden als frühere Generationen, der Zuwachs aber geringer ausfällt als in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Ergebnisse der Studie
Das Forschungsteam wertete Daten aus 23 einkommensstarken Ländern mit niedriger Sterblichkeit aus. Dabei wurde deutlich: Keine der untersuchten Generationen wird im Schnitt ein Lebensalter von 100 Jahren erreichen. Zwar sei ein kontinuierlicher Anstieg erkennbar, doch die Geschwindigkeit habe deutlich nachgelassen. Besonders auffällig sei, dass die Fortschritte in der medizinischen Versorgung und die gesünderen Lebensbedingungen nicht mehr in gleichem Maße zu einer längeren Lebensdauer führen wie noch vor rund hundert Jahren.
Gründe für die Entwicklung
Die Forscher führen die verlangsamte Entwicklung unter anderem darauf zurück, dass viele der großen medizinischen Durchbrüche – etwa die Einführung von Antibiotika, Impfstoffen und verbesserten Hygienestandards – bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erzielt wurden. Heute spielen vor allem chronische Erkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislauf-Leiden oder Diabetes eine Rolle, die schwerer zu bekämpfen sind und den Zugewinn an Lebensjahren begrenzen. Auch Lebensstilfaktoren wie Bewegungsmangel, Fehlernährung oder Tabak- und Alkoholkonsum beeinflussen die Entwicklung.
Bedeutung für Politik und Gesellschaft
Die Erkenntnisse haben auch gesellschaftliche Relevanz: Eine langsam steigende Lebenserwartung bedeutet, dass die heute Geborenen zwar immer noch mit einem langen Leben rechnen können, gleichzeitig aber die Belastungen für Renten- und Gesundheitssysteme weniger stark wachsen als oft befürchtet. Dennoch warnen die Forscher, dass gesundheitliche Ungleichheiten zwischen Bevölkerungsgruppen bestehen bleiben und diese künftig eine noch größere Rolle spielen könnten.