Die Bundesregierung hat die jüngsten Schritte der italienischen Großbank Unicredit zu einer stärkeren Beteiligung an der Commerzbank scharf zurückgewiesen. Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums erklärte, man lehne „das erneut unabgestimmte und unfreundliche Vorgehen“ der Unicredit ab.
Haltung der Bundesregierung
Der Bund, der über den staatlichen Finanzmarktstabilisierungsfonds (FMS) noch immer gut 15 Prozent der Commerzbank-Anteile hält, betonte erneut, dass er die Eigenständigkeit der Commerzbank unterstütze. Diese Linie habe man Unicredit bereits mehrfach „sehr deutlich“ vermittelt. Ein Verkauf der staatlichen Beteiligung stehe daher nicht zur Debatte. „Der Bund wird seine Beteiligung nicht veräußern“, sagte die Ministeriumssprecherin.
Hintergrund des Konflikts
Unicredit hatte in den vergangenen Jahren mehrfach Interesse an einer Fusion oder Übernahme der Commerzbank signalisiert. Auch wenn konkrete Verhandlungen bislang scheiterten, hält sich die italienische Bank mit Sitz in Mailand die Option einer stärkeren Präsenz auf dem deutschen Markt offen. Mit dem neuerlichen Vorstoß, den Anteil an der Commerzbank auszubauen, verstärkt sich nun der Konflikt mit der Bundesregierung.
Bedeutung für den Finanzplatz Deutschland
Die Commerzbank gilt nach der Deutschen Bank als zweitgrößtes Kreditinstitut Deutschlands und spielt insbesondere bei der Finanzierung des Mittelstands eine wichtige Rolle. Die Bundesregierung sieht sie deshalb als systemrelevantes Institut, das nicht in ausländische Hände geraten soll – zumindest nicht gegen den ausdrücklichen Willen der Politik.
Mögliche Folgen
Beobachter gehen davon aus, dass Unicredit mit dem Schritt vor allem den Druck auf die Bundesregierung erhöhen will. Eine tatsächliche Übernahme erscheint derzeit jedoch unwahrscheinlich, solange der Bund seine Sperrminorität hält. Dennoch könnte der Vorstoß für Unruhe an den Finanzmärkten sorgen und die Diskussion über die künftige Ausrichtung der Commerzbank neu beleben.