Auf der weltgrößten Spielemesse Gamescom in Köln hat Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) scharfe Worte gefunden: Sie fordert mehr Jugendschutz im Gaming-Bereich und warnt vor den Risiken sogenannter Lootboxen.
„Der Handlungsbedarf ist groß“, sagte Drese. Solche Spielelemente, bei denen Spielerinnen und Spieler gegen den Einsatz von echtem Geld virtuelle Kisten mit zufälligen Inhalten erwerben können, hätten längst das Potenzial, junge Menschen in Abhängigkeiten zu treiben. Besonders Minderjährige liefen Gefahr, den Überblick über ihre Ausgaben zu verlieren und sich dadurch in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen.
Vorbild Belgien
Belgien ist hier bereits einen Schritt weiter gegangen: Lootboxen sind dort per Gesetz verboten, weil sie als eine Form von Glücksspiel eingestuft wurden. Auch die Europäische Kommission hat sich zuletzt für eine strengere Regulierung ausgesprochen und fordert, dass Minderjährige besser geschützt werden.
Initiative im Bundesrat geplant
Drese kündigte an, dass Mecklenburg-Vorpommern Ende September eine Bundesratsinitiative starten werde. Ziel sei es, bundeseinheitliche Regeln zu schaffen und Schlupflöcher zu schließen, die bislang von der Branche genutzt würden. „Wir müssen verhindern, dass junge Menschen in eine Abhängigkeit geraten, die in frühen Jahren beginnt und später schwer zu durchbrechen ist“, so die Ministerin.
Milliardenmarkt unter Druck
Lootboxen sind für die Gaming-Industrie ein Milliardengeschäft. Kritiker werfen den Herstellern vor, dass besonders Kinder und Jugendliche durch psychologisch raffinierte Mechanismen dazu verleitet würden, immer wieder Geld auszugeben – ohne zu wissen, was sie tatsächlich erhalten. Für die Unternehmen sei dies ein „lukratives System, das aber auf Kosten der Jüngsten gehe“, so Drese.
Die Debatte über virtuelle Glücksspielelemente schwelt seit Jahren. Mit der geplanten Bundesratsinitiative könnte sie nun auch in Deutschland neuen Schwung bekommen.