Was aussieht wie ein harmloser Energydrink, hat für viele Menschen in den USA zur Katastrophe geführt: Kratom, ein pflanzlicher Stoff mit opioidähnlicher Wirkung, wird in trendigen Tonics, Tees oder Kapseln verkauft – oft bunt verpackt und frei erhältlich an Tankstellen, in Kiosken oder CBD-Shops. Doch die Wirkung kann verheerend sein.
Eine Mutter verliert fast alles
Kim Maloney, 49, zweifache Mutter aus Ohio, dachte 2021, sie trinke nur einen pflanzlichen Wachmacher. Der kleine blaue Shot, den ihr jemand empfahl, enthielt Kratom – sie wusste damals kaum etwas über den Stoff. Kurz darauf trank sie bis zu zehn Fläschchen täglich. Es folgte der Absturz: Sie verlor ihr Haus, ihre Ehe, ihr Auto – und beinahe ihr Leben. Bei einem Gewicht von nur 32 Kilo brachte ihre Tochter sie in die Reha.
„Mein Blutdruck war bei 58 zu 49. Ich war am Sterben“, sagt Maloney heute. Erst 2024 schaffte sie den Entzug.
Was ist Kratom überhaupt?
Kratom stammt ursprünglich aus Südostasien und wurde traditionell gekaut, um Schmerzen zu lindern oder die Stimmung zu heben. Heute ist es in den USA in vielen Formen erhältlich:
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Drinks und Shots (z. B. „Feel Free“)
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Pulver und Kapseln
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Tees, Gummis und sogar Rauchprodukte
Oft wird Kratom als „natürlich“, „pflanzlich“ oder gar „gesunde Alternative zu Alkohol“ vermarktet – ein Image, das viele in die Irre führt. Tatsächlich enthält Kratom Substanzen, die ähnlich wie Opioide wirken und stark süchtig machen können.
Abhängigkeit ohne Vorwarnung
In einem großen Bericht sprach USA TODAY mit mehr als 20 Betroffenen. Darunter Mütter, Väter, Fitnessfans – viele ohne frühere Drogenerfahrung.
Einige gerieten in Schulden, verloren ihre Familien oder wurden arbeitsunfähig. Die Symptome der Sucht gleichen laut Experten denen von Heroinentzug:
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Unruhe, Schlaflosigkeit
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Schweißausbrüche
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Gliederschmerzen, psychische Tiefs
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Kontrollverlust
Besonders gefährlich: Die Entzugserscheinungen setzen oft schleichend ein – „wie ein Dieb, der dir langsam die Seele stiehlt“, sagt ein Betroffener.
Die Rolle der Industrie – und der TikTok-Hype
Produkte wie der „Feel Free Classic Tonic“ von Botanic Tonics gingen viral – teils in TikTok-Videos, in denen Jugendliche versuchten, Fremde zu überreden, ihnen Drinks an Tankstellen zu kaufen.
Obwohl Botanic Tonics in einer Millionenklage beschuldigt wurde, Kratom fälschlich als alkoholfreundlich vermarktet zu haben, sind die Produkte weiterhin legal – in fast allen US-Bundesstaaten.
FDA schlägt Alarm – doch ist es genug?
Am 29. Juli 2025 kündigte die US-Arzneimittelbehörde FDA an, gegen 7-Hydroxymitragynin (7-OH), eine besonders starke Komponente in Kratom-Produkten, vorzugehen. Das Ziel: Sie soll als illegale Substanz eingestuft werden – allerdings betrifft das nicht alle Kratomprodukte.
Viele Experten fordern ein umfassenderes Verbot. Laut Dr. Timothy Fong (UCLA) sei Kratom heute „wie Fast-Food-Opium“ – günstig, zugänglich, gefährlich. Auch das American Psychiatric Association warnt vor der unterschätzten Suchtgefahr.
„Ich hab mein Leben zurück – aber zu welchem Preis?“
Kim Maloney ist mittlerweile seit einem Jahr clean. Sie lebt mit vier Hunden in einer kleinen Wohnung, hat ein neues Auto gekauft und ihr Verhältnis zu ihren Töchtern verbessert.
„Ich bin noch immer verschuldet“, sagt sie. „Aber ich lebe. Ich kämpfe. Ich werde mir mein Leben zurückholen – besser als je zuvor.“
Fazit
Kratom ist kein harmloser Tee. Die Geschichten der Betroffenen zeigen: Sucht kann überall entstehen – auch aus der Flasche an der Tankstelle. Besonders gefährlich ist die Kombination aus freiem Verkauf, irreführender Werbung und fehlender öffentlicher Aufklärung.
Mit dem Eingreifen der FDA könnte sich das ändern – doch viele fragen sich: Wird Kratom tatsächlich reguliert werden? Oder ist das nur der Anfang eines neuen Drogenbooms – diesmal mit Bio-Siegel?