Ein politischer Streit aus Texas hat in einem ruhigen Vorort von Chicago beinahe dramatische Konsequenzen gehabt: Mehrere texanische Abgeordnete der Demokraten, die sich nach Illinois zurückgezogen hatten, um eine republikanische Abstimmung zu blockieren, mussten wegen einer Bombendrohung evakuiert werden.
Bombenalarm am Morgen
Die Polizei von St. Charles erhielt gegen 7:15 Uhr Ortszeit einen Alarm: Im Q-Center Hotel und Konferenzzentrum sei ein Sprengsatz gemeldet worden. Sofort wurde das Areal großräumig geräumt. Rund 400 Menschen, darunter Hotelgäste und Angestellte, mussten das Gebäude verlassen.
Die Polizei durchsuchte gemeinsam mit dem Sprengstoffkommando des Kane County Sheriff’s Office das Gelände – es wurde kein Sprengsatz gefunden.
„Nach Freigabe durch die Behörden konnten alle Gäste und Mitarbeiter sicher zurückkehren“, erklärte die Polizei in einem offiziellen Statement.
Politisch motivierter Hintergrund?
Die bedrohten Hotelgäste: Mitglieder des texanischen Abgeordnetenhauses, die am 3. August aus ihrem Bundesstaat geflohen waren. Ziel: Den Republikanern in Texas die notwendige Quoren-Mehrheit für ein neues Wahlkreisgesetz zu entziehen. Dieses hätte bei den Zwischenwahlen 2026 laut Expert:innen bis zu fünf zusätzliche Sitze im US-Repräsentantenhaus für die Republikaner bringen können.
Die demokratischen Abgeordneten hatten sich über mehrere „blaue Bundesstaaten“ verteilt – darunter Illinois, Massachusetts und New York.
Dank an Illinois – Kritik an Texas
Der texanische Abgeordnete John Bucy III erklärte gegenüber USA TODAY, viele seiner Kolleg:innen seien noch im Schlaf gewesen, als der Alarm losging. Es habe etwa zwei Stunden gedauert, bis die Lage wieder sicher war.
„Ich danke Gouverneur Pritzker, der Polizei und dem Hotelpersonal“, sagte Bucy. „Sie haben gezeigt, was echte Führung bedeutet. Es ist traurig, dass unser Gouverneur Greg Abbott nicht über diese Qualitäten verfügt.“
Illinois’ demokratischer Gouverneur JB Pritzker verurteilte die Bombendrohung ebenfalls scharf:
„Gewaltdrohungen werden untersucht, und die Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen.“
Republikanische Gegenmaßnahmen
Texas’ republikanischer Gouverneur Greg Abbott reagierte seinerseits bereits am 5. August mit einem Notfallantrag, der den demokratischen Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus seines Amtes entheben soll. Abbott hatte zuvor angekündigt, alle „flüchtigen“ Abgeordneten mit Haftbefehlen zur Rückkehr zu zwingen – ein symbolischer Schritt ohne große rechtliche Erfolgschancen, aber mit starker politischer Signalwirkung.
Fazit:
Die Bombendrohung gegen die texanischen Demokraten verdeutlicht, wie stark sich der politische Ton in den USA weiter verschärft. Was mit einer parlamentarischen Taktik begann – der Flucht aus dem Bundesstaat zur Verhinderung einer Abstimmung – hat nun eine potenziell lebensgefährliche Dimension erreicht. Die Ermittlungen zur Herkunft der Drohung laufen.