Analyse aus Sicht eines Anlegers:
1. Fondsprofil und Anlagestrategie
Der „VB Kassel Göttingen Union Select“ ist ein aktiv gemanagter Mischfonds mit Schwerpunkt auf Aktienfonds (87 % des Vermögens), insbesondere in Europa (62 % der Aktienallokation). Die Anlagestrategie zielt auf langfristiges Kapitalwachstum durch Investitionen in Zielfonds mit Absicherungskomponenten. Eine Indexnachbildung findet nicht statt.
2. Fondsentwicklung im Geschäftsjahr 2024/2025
Der Fonds verzeichnete in der Berichtsperiode einen Wertverlust von -1,67 % (nach BVI-Methode). Hauptursachen waren:
Realisierte Gewinne aus europäischen/globalen Aktienfonds (ca. 2,65 Mio. €)
Realisierte Verluste aus Derivategeschäften (ca. -2,12 Mio. €)
Nicht realisierte Verluste von rund -818.000 €
Zudem kam es zu einem deutlichen Mittelabfluss von über 2,9 Mio. € netto, was auf eine sinkende Anlegernachfrage schließen lässt.
3. Risikostruktur und Volatilität
Die Fondsgesellschaft weist auf ein signifikantes Marktpreisrisiko durch die Aktienlastigkeit hin. Der durchschnittliche potenzielle Risikobetrag lag bei 3,67 %. Der Einsatz von Derivaten (0,63 % Anteil am Fondsvolumen) konnte Verluste nicht verhindern. Fremdwährungsrisiken waren vorhanden, aber begrenzt.
4. Kostenstruktur
Die Gesamtkostenquote (TER) beträgt 2,25 % – relativ hoch, insbesondere im Vergleich zur bescheidenen Performance. Eine erfolgsabhängige Vergütung wurde nicht erhoben.
5. Strukturveränderung: Verschmelzung auf UniStrategie: Offensiv
Zum 18. Juni 2025 wird der Fonds in den „UniStrategie: Offensiv“ überführt. Diese Entscheidung kann als Reaktion auf sinkendes Fondsvolumen, unterdurchschnittliche Wertentwicklung und/oder strategische Neuausrichtung gewertet werden. Für Anleger bedeutet dies eine Umstellung der Anlagepolitik und möglicher steuerlicher Konsequenzen.
6. ESG und Nachhaltigkeit
Trotz allgemeiner ESG-Integration auf Gesellschaftsebene berücksichtigt der Fonds nicht explizit die EU-Taxonomie. Nachhaltigkeitsaspekte sind laut Bericht „kein Bestandteil der Anlagestrategie“.
Fazit für Anleger:
Der Fonds enttäuschte im abgelaufenen Geschäftsjahr mit einem negativen Ergebnis trotz überwiegender Aktienquote in etablierten Märkten. Der hohe Kostenblock wirkt sich zusätzlich belastend aus. Die geplante Fondsverschmelzung dürfte Anleger zur Neubewertung ihrer Strategie zwingen – insbesondere angesichts mangelnder Transparenz über das zukünftige Risiko-Rendite-Profil des Zielproduktes „UniStrategie: Offensiv“.
Eine Fortführung des Investments sollte nur nach sorgfältiger Prüfung der Zielstrategie sowie steuerlicher Auswirkungen erfolgen. Anleger mit klarer ESG-Ausrichtung finden hier ebenfalls keine ausreichende Berücksichtigung ihrer Präferenzen.