In Mitteldeutschland droht einer erheblichen Zahl von Winzern das wirtschaftliche Aus. Nach Angaben von Georg Prinz zur Lippe, dem Präsidenten des Verbands der Prädikatsweingüter im Osten, sind 20 bis 30 Prozent der Weinbaubetriebe in der Region in ihrer Existenz bedroht. Gegenüber dem MDR schilderte er die Ursachen dieser dramatischen Entwicklung und warnte vor langfristigen Folgen für die Weinbaulandschaft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Mehrere Krisenfaktoren treffen die Branche gleichzeitig
Ein zentrales Problem sei der seit Jahren sinkende Weinkonsum in Deutschland. Die Verbraucher griffen zunehmend zu alkoholfreien Alternativen, gleichzeitig nehme das Interesse an hochwertigen regionalen Weinen spürbar ab. Diese Entwicklung stelle besonders kleinere und mittelständische Weingüter vor große Herausforderungen, die auf den Absatz im Inland angewiesen seien.
Hinzu komme ein gravierender Fachkräftemangel. Viele Betriebe fänden kaum noch Saisonarbeitskräfte, insbesondere für die arbeitsintensive Lese im Herbst. „Im Weinbau ist vieles noch Handarbeit – wir brauchen Menschen, die bereit sind, auf den steilen Terrassen zu arbeiten“, so Prinz zur Lippe.
Wirtschaftlicher Druck durch Zölle und Mindestlohn
Auch internationale Rahmenbedingungen setzen den Winzern zu. Zwar stammt die Einführung der US-Zölle auf europäische Agrarprodukte noch aus der Amtszeit von Ex-Präsident Donald Trump, doch deren Nachwirkungen seien laut dem Verband weiterhin spürbar. Für einige Weingüter, die in die USA exportieren, habe sich der Markt deutlich erschwert – teils seien wichtige Handelspartnerschaften weggebrochen.
Ein weiterer Kostenfaktor sei der gestiegene gesetzliche Mindestlohn. Dieser sei zwar sozialpolitisch nachvollziehbar, führe im arbeitsintensiven Weinbau jedoch zu einer enormen finanziellen Belastung. „In unseren Betrieben machen die Personalkosten etwa zwei Drittel der Gesamtausgaben aus“, erklärte Prinz zur Lippe. Besonders für kleinere Weingüter ohne größere Kapitaldecke werde das zunehmend zur existenziellen Bedrohung.
Verband fordert politische Unterstützung
Angesichts der angespannten Lage appelliert der Verband an die Politik, die besonderen Bedingungen des Weinbaus in Mitteldeutschland stärker zu berücksichtigen. Denkbar seien gezielte Förderprogramme, Entlastungen bei den Lohnnebenkosten oder bürokratische Erleichterungen für Saisonarbeitskräfte. Nur so könne verhindert werden, dass traditionsreiche Betriebe schließen müssten und wertvolles Kulturgut verloren gehe.
„Wenn ein Drittel der Winzer aufgibt, verändert das nicht nur das Landschaftsbild, sondern auch das kulturelle Erbe unserer Region“, warnte Prinz zur Lippe.