Teheran, die Hauptstadt Irans mit rund 10 Millionen Einwohnern, steht nach Experteneinschätzung kurz vor dem sogenannten „Day Zero“ – dem Tag, an dem das Leitungswasser für große Teile der Stadt versiegt. Die Ursache: eine dramatische Wasserkrise, die durch jahrzehntelange Misswirtschaft, Übernutzung, Klimawandel und Dürre verschärft wurde.
Alarmstufe Rot für Irans Wasserreserven
Laut Kaveh Madani, Direktor des Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit der UN-Universität, könnten die Wasserreserven Teherans „innerhalb weniger Wochen“ erschöpft sein, wenn der Verbrauch nicht drastisch gesenkt wird. Präsident Masoud Pezeshkian forderte dringende Gegenmaßnahmen und warnte vor einem Zustand, der „nicht mehr lösbar sein wird“, wenn jetzt nicht gehandelt werde.
Besonders alarmierend: Die großen Staudämme, die die Stadt mit Wasser versorgen, sind laut der regionalen Wasserbehörde nur noch zu etwa 21 % gefüllt. Zudem hat der Iran in diesem Jahr rund 40 % weniger Niederschlag erhalten als im langjährigen Durchschnitt.
Ein strukturelles und politisches Problem
Neben dem Klimawandel machen Experten wie Amir AghaKouchak von der Universität Kalifornien vor allem menschliche Eingriffe verantwortlich: Übermäßige Grundwasserentnahme, ineffiziente Landwirtschaft und unkontrollierter Wasserverbrauch in den Städten haben zu einem Zustand geführt, den Experten als „Wasser-Bankrott“ bezeichnen – also einen Punkt, an dem Schäden bereits irreversibel sind.
In Teheran hat die Absenkung des Grundwasserspiegels bereits dazu geführt, dass Teile der Stadt jährlich um bis zu 25 Zentimeter absinken.
Notmaßnahmen und Hoffnung auf Regen
Um den Wasserverbrauch zu senken, wurde der Wasserdruck in 80 % der Haushalte reduziert – mit gravierenden Folgen vor allem für Bewohner höherer Stockwerke, die teilweise gar kein Wasser mehr erhalten. Die Regierung hat kurzfristig einen öffentlichen Feiertag ausgerufen und überlegt nun, die Stadt für eine ganze Woche stillzulegen, damit möglichst viele Menschen Teheran verlassen und der Wasserverbrauch sinkt.
Wasser wird inzwischen per Tanklaster angeliefert, und viele Haushalte versuchen sich mit privaten Speichertanks abzusichern – sofern sie es sich leisten können.
Keine einfachen Lösungen in Sicht
Technische Lösungen wie Meerwasserentsalzung oder Abwasserwiederaufbereitung seien laut Madani zwar hilfreich, aber letztlich nur Symptombekämpfung. Langfristig sei eine tiefgreifende wirtschaftliche Reform nötig, die den Schwerpunkt von der extrem wasserintensiven Landwirtschaft – die 90 % des Verbrauchs ausmacht – hin zu weniger wasserabhängigen Sektoren verlagert.
Doch unter der aktuellen politischen Führung und angesichts internationaler Sanktionen erscheint ein solcher Kurswechsel derzeit unwahrscheinlich.
„Das Problem ist nicht nur ökologisch oder technisch“, so AghaKouchak, „sondern tief politisch und systemisch.“
Nun bleibt Teheran nur noch eines: warten auf den Herbst – und auf Regen. Wenn es gelingt, die kommenden Wochen zu überstehen, könnte „Day Zero“ vielleicht noch abgewendet werden.