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Warnkarte der Zukunft: Neue Risikokarte zeigt, wo entstehen könnten

coyot (CC0), Pixabay

Wissenschaftler schlagen Alarm: Klimawandel, Umweltzerstörung und Globalisierung schaffen ideale Bedingungen für neue Seuchenherde weltweit.

Ein einziger Mückenstich, ein harmloser Kratzer von der Katze oder ein blutiges Steak – und schon könnte das nächste globale Gesundheitsdrama seinen Anfang nehmen. Klingt wie der Stoff für einen Thriller, ist aber bittere Realität. Denn Zoonosen – also Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen überspringen – gehören laut Expertinnen und Experten zu den gefährlichsten Auslösern von Epidemien und Pandemien weltweit. Jetzt warnt eine neue weltweite Risikokarte eindringlich: In vielen Regionen der Erde steigt das Risiko für den Ausbruch solcher Krankheiten drastisch.

Erstellt wurde die Karte von einem internationalen Forschungsteam im Auftrag der EU-Kommission und der WHO. Veröffentlicht wurde die aufrüttelnde Analyse jüngst in der renommierten Fachzeitschrift Science Advances. Die Botschaft ist eindeutig: Vor allem Gebiete rund um den Äquator – in Lateinamerika, Afrika, Südostasien und Ozeanien – sind besonders gefährdet, in Zukunft zum Ursprungsort neuer Seuchen zu werden.

Warum ausgerechnet dort?

Hohe Temperaturen, feuchte Klimazonen, zunehmende Regen- und Dürreperioden: All das verändert das Verhalten von Wildtieren. „Sie suchen Wasser und Nahrung, oft in der Nähe menschlicher Siedlungen“, erklärt Zoonosen-Experte Johannes Lorenz Khol von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Damit steigt die Chance, dass gefährliche Erreger – von Viren über Bakterien bis hin zu Parasiten – die Artgrenze überschreiten.

Ein zusätzlicher Risikofaktor: Der Mensch selbst. Abholzung, Urbanisierung, industrielle Landwirtschaft – allesamt Eingriffe in Ökosysteme, die Lebensräume zerstören und die Begegnungszonen zwischen Wildtieren, Nutztieren und Menschen erhöhen. Der Verlust an Biodiversität tut sein Übriges. „Wir greifen in natürliche Kreisläufe ein, ohne die Folgen zu kennen“, warnt Khol. Das Ergebnis: Mikroorganismen, die früher verborgen blieben, treten nun in den Kontakt mit dem Menschen.

Die Liste der Gefahren ist lang – und wächst

Schon jetzt kennt die Wissenschaft rund 1.500 Mikroorganismen, die für den Menschen gefährlich sein können – zwei Drittel davon sind zoonotischen Ursprungs. Neben altbekannten Krankheiten wie Ebola, Zika oder das Krim-Kongo-Fieber führt die WHO regelmäßig auch die ominöse „Krankheit X“ in ihren Warnlisten – ein Hinweis darauf, dass der nächste Erreger möglicherweise völlig unbekannt ist. Auch Influenza gilt weiterhin als „Schläfer“ mit pandemischem Potenzial.

Europa: (Noch) ein sicherer Hafen?

Zwar zählt Europa – und damit auch Österreich – nicht zu den aktuellen Hochrisikogebieten, wie die neue Karte zeigt. Doch auch hier steigen die Gefahren schleichend. Klimawandel, gestiegene Mobilität und invasive Arten machen vor Grenzen nicht halt. „Zecken und Mücken sind heute in vielen Regionen Mitteleuropas fast das ganze Jahr über aktiv“, so Khol. Damit wächst auch die Gefahr, dass sie Krankheitserreger wie West-Nil- oder Chikungunya-Viren übertragen.

Dennoch gibt es gute Nachrichten: Dank hoher Hygienestandards, gut überwachten Nutztierbeständen und einer funktionierenden Gesundheitsinfrastruktur ist Europa bislang vergleichsweise gut geschützt – sofern weiterhin investiert wird. Die Studie nennt Bildung, internationale Zusammenarbeit und gezielte Forschung als zentrale Stellschrauben, um Ausbrüche frühzeitig zu erkennen und einzudämmen.

„One Health“: Mensch, Tier und Umwelt gemeinsam schützen

Die Forscher betonen die Notwendigkeit eines globalen Denkens. Das Schlagwort lautet „One Health“ – ein Ansatz, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt als untrennbar miteinander verbunden betrachtet. Dafür braucht es mehr als nationale Strategien: Der internationale Datenaustausch über Krankheitsausbrüche muss verbessert werden, Überwachungssysteme für Tiere gestärkt und Wissen geteilt werden – vor allem mit Ländern, in denen das Risiko am höchsten ist.

Fazit: Die Karte der Risiken ist auch ein Fahrplan für den Umgang mit zukünftigen Bedrohungen. Denn eines ist klar: Die nächste Pandemie ist nicht nur möglich – sie ist wahrscheinlich. Doch Wissen ist Vorsorge – und diese beginnt jetzt.

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