In Polen sind 32 Menschen im Zusammenhang mit mutmaßlichen Sabotageakten für Russland festgenommen worden. Wie die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtet, gab Ministerpräsident Donald Tusk die Festnahmen öffentlich bekannt. Eine der Personen sei bereits rechtskräftig verurteilt worden, die übrigen befänden sich derzeit in Untersuchungshaft.
Die Verdächtigen stammen laut den Angaben aus verschiedenen Ländern. Neben einem polnischen Staatsbürger zählen auch mehrere Russen, Ukrainer und Belarussen zu der Gruppe – sowie überraschenderweise ein Mann aus Kolumbien. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Personen im Auftrag russischer Geheimdienste in Polen aktiv waren.
Nach Angaben aus Sicherheitskreisen stehen die Verdächtigen im Verdacht, Sabotageakte auf kritische Infrastruktur vorbereitet oder bereits ausgeführt zu haben. Dabei soll es unter anderem um Anschläge auf Eisenbahnverbindungen, Energieanlagen und militärische Logistik gegangen sein. Ziel sei gewesen, Unruhe zu stiften und die polnische Unterstützung für die Ukraine zu schwächen, so die Einschätzung der Behörden.
Polen gilt seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine als besonders wichtiges Transitland für westliche Waffenlieferungen an Kiew. In den vergangenen Monaten hatte die Regierung in Warschau wiederholt vor wachsender Spionagetätigkeit durch russische und prorussische Netzwerke gewarnt. Laut Premier Tusk handle es sich um „die größte bekannte Serie von Festnahmen im Bereich russischer Agententätigkeit in Polen der letzten Jahrzehnte“.
Die Festnahmen zeigen, wie angespannt das sicherheitspolitische Klima in Osteuropa inzwischen geworden ist – und wie entschlossen die polnischen Behörden versuchen, verdeckte Operationen auf ihrem Staatsgebiet zu unterbinden. Die Ermittlungen dauern an. Weitere Festnahmen seien laut Innenministerium nicht ausgeschlossen.