Ein ungewöhnlicher Gast sorgte am Sonnabendmorgen in einem Familiengarten für große Augen und noch größeres Herzklopfen: Ein kleiner Seehund, ein sogenannter Heuler, hatte sich offenbar auf eigene Faust mehrere Kilometer von der Nordsee entfernt – und landete schließlich ausgerechnet bei Familie Klützke im Garten.
„Ich dachte, ich sehe Gespenster“, erzählt Anneke Klützke im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein. „Ich wollte eigentlich nur die Gänse füttern – und dann lag da auf einmal ein Seehund neben dem Apfelbaum!“
Der junge Meeressäuger schaute laut Klützke „recht friedlich“, als wäre er sich seines Abenteuers durchaus bewusst – und doch erschöpft. „Ich hab meinen Mann angerufen und gesagt: Schatz, ich glaube, ich bin völlig bescheuert – da liegt ein Seehund im Garten.„
Abenteuer über Feld und Wiese
Vermutlich stammt das Tier aus dem Tümlauer-Koog, wo regelmäßig Seehunde gesichtet werden. Die Familie und Expert:innen der Wildtierstation Friedrichskoog gehen davon aus, dass der Heuler ein bis drei Kilometer über Felder und Nebenwege gewandert ist – eine beachtliche Strecke für ein Jungtier, das noch auf Hilfe angewiesen ist. Die Station schätzt, dass der kleine Seehund zwei bis drei Tage unterwegs war, bevor er das sichere Grün der Klützkes erreichte.
Rettung in letzter Minute – und ein Planschbecken-Angebot
Die Wildtierstation rückte nach dem Anruf rasch an und nahm den Heuler mit. Dort wird er nun gepflegt und aufgepäppelt – mit dem Ziel, ihn bald wieder in die Nordsee zu entlassen.
Der Abschied fiel nicht allen leicht: „Die Kinder hätten ihn ja zu gerne behalten“, erzählt Anneke Klützke mit einem Lächeln. „Der Große wollte sofort das Planschbecken spenden – und der Kleine war schon auf dem Weg zur Tiefkühltruhe, um Fischstäbchen zu holen.“
Doch so niedlich die Idee auch war – der kleine Seehund braucht deutlich mehr als ein paar Fischstäbchen: Salzwasser, viel Platz zum Schwimmen, erfahrene Pfleger und eine tiergerechte Ernährung.
Baldige Rückkehr ins Meer
In Friedrichskoog wird der Heuler nun liebevoll versorgt. Sobald er kräftig genug ist, darf er zurück in die Nordsee – dorthin, wo sein Platz ist. Familie Klützke wird ihn vermissen, sagt Anneke – „aber wir wissen, dass er draußen am Meer besser aufgehoben ist als in unserem Garten.“
Ein Abenteuer mit Happy End – und eine Erinnerung, die die Familie wohl nie vergessen wird.