Im US-Politbetrieb rumort es erneut: Laut übereinstimmenden Medienberichten denkt Dan Bongino, derzeit stellvertretender Direktor des FBI, ernsthaft über einen Rücktritt nach. Grund ist der eskalierende interne Streit um die Veröffentlichung von Dokumenten im Fall Jeffrey Epstein – und insbesondere die Spannungen mit US-Justizministerin Pam Bondi.
Die Situation eskalierte laut CNN am Mittwoch bei einem hitzigen Treffen im Weißen Haus mit Beteiligung von Bongino, FBI-Direktor Kash Patel, Bondi und Trumps Stabschefin Susie Wiles. Dabei ging es um die Frage, ob das FBI hinter einer undichten Stelle stecke, die behauptete, das Justizministerium habe die Veröffentlichung weiterer Epstein-Akten blockiert.
Bongino wies jegliche Verantwortung für das Leck von sich, verweigerte aber gleichzeitig eine öffentliche Erklärung zur Unterstützung der Darstellung des Ministeriums. Am Freitag erschien er nicht zur Arbeit – was Spekulationen über einen Rücktritt weiter befeuerte.
Zwischen Aktenchaos und Verschwörungstheorien
Die sogenannte „Epstein-Memo“-Affäre ist in der konservativen Trump-Wählerschaft ein hochemotionales Thema. Viele erwarteten Enthüllungen über ein angebliches „Klientelnetzwerk“ des verstorbenen Sexualstraftäters – ein Versprechen, das die nun veröffentlichten Regierungsdokumente nicht einlösten. Stattdessen bestätigte das Justizministerium, es gebe keine Hinweise auf Mord oder eine „Kundenliste“.
Das führte zu wütenden Reaktionen in den sozialen Netzwerken – und zu einem Bruch innerhalb des Trump-Lagers. Bongino und Patel, beide als loyale Trump-Getreue bekannt, gelten laut Beobachtern als unzufrieden mit Bondis Krisenmanagement. Dass Bongino unter dem Druck nun mit Rücktritt spielt, zeigt, wie sehr das Thema auch intern eskaliert.
Ein Video mit 60 fehlenden Sekunden
Besonders brisant: Ein Überwachungsvideo aus Epsteins Gefängniszelle, das Bongino als Entlastung präsentierte, sorgt nun für neuen Zündstoff. In dem Material fehlt genau eine Minute, was in Internetforen und bei Verschwörungsgläubigen als „Beweis für Vertuschung“ gilt. Offiziell heißt es, die alte Videoanlage überspringe bei der täglichen Speicherumstellung regelmäßig eine Minute – doch das Vertrauen ist längst zerrüttet.
Weiße Haus versucht zu beschwichtigen
Trotz der offensichtlichen Spannungen versucht das Weiße Haus unter Präsident Trump, den Eindruck von Einheit zu wahren. Ein Sprecher erklärte am Freitag, das „Team für Recht und Ordnung“ arbeite nahtlos zusammen. Beobachter sehen das jedoch anders: Der Umgang mit den Epstein-Akten legt tiefe Risse zwischen FBI, Justizministerium und Trump-nahen Medien offen.
Analyse: Mehr als ein Personaldrama
Der mögliche Rücktritt Bonginos wäre nicht nur ein Karriereschritt, sondern ein politisches Signal. Er steht für den Versuch, das FBI in Trumps zweiter Amtszeit auf harte Linie zu bringen – Loyalität, Kontrolle, Kampagnenfähigkeit. Ein Rückzug würde nicht nur Bondi schwächen, sondern das gesamte Narrativ vom „neuen starken Staat“ unter Trump erschüttern.
Der Fall Epstein bleibt damit nicht nur ein dunkles Kapitel der US-Justiz, sondern ein Pulverfass für das Machtgefüge im Trump’schen Washington. Und Dan Bongino könnte das nächste politische Opfer sein.