Donald Trumps Attacken auf Jerome Powell, den Vorsitzenden der US-Notenbank (Federal Reserve), haben in seiner zweiten Amtszeit eine neue Qualität erreicht – nicht unbedingt lautstärker, aber strategischer. Was lange wie ein impulsives Dauerthema wirkte, entpuppt sich nun als orchestrierte Kampagne, um Druck auf Powell und das unabhängige Federal Open Market Committee (FOMC) auszuüben – ohne ihn direkt zu entlassen.
Der Vorwand: Ein Renovierungsprojekt – der Hebel: Bürokratie
Auslöser der jüngsten Offensive ist ein Brief von Budgetchef Russell Vought, ein Trump-Vertrauter, der Powell eine mögliche Gesetzesübertretung bei der geplanten Renovierung des Fed-Hauptsitzes unterstellt. Formal geht es um Genehmigungen – inoffiziell ist es klar ein Hebel: Ein bürokratischer Angriff, begleitet von stillen Neubesetzungen in der zuständigen Planungskommission mit Trump-loyalen Personen.
Ziel: Die Fed diskreditieren, schwächen – und subtil unter Druck setzen.
Druck statt Entlassung – (noch)
Zwar betont Trump öffentlich, er wolle Powell nicht entlassen, nennt ihn aber gleichzeitig einen „katastrophalen Notenbankchef“. Warum keine Absetzung? Weil die Fed gesetzlich unabhängig ist – und die Märkte empfindlich auf politische Eingriffe reagieren würden. Selbst der Supreme Court hat kürzlich Trumps Macht zur Absetzung beschränkt – speziell bei der Fed.
Altbekanntes Trump-Skript
Was hier passiert, folgt einem bekannten Muster:
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Klein anfangen: Eine unauffällige Kritik (hier: Renovierungskosten) wird zum Vorwand.
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Eskaliert durch Medien: Trump-nahe Persönlichkeiten wie Peter Navarro oder JD Vance greifen sie auf.
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Ziel: Nicht das Ende, sondern die Delegitimierung, Einschüchterung – oder langfristige Entmachtung.
Dazu gehört auch die gezielte Platzierung möglicher Nachfolger für 2026. Namen wie Kevin Warsh oder Kevin Hassett (beide deutlich wirtschaftsfreundlicher) kursieren bereits – beide vertreten Positionen, die deutlich stärker Trumps Vorstellungen entsprechen: niedrigere Zinsen, keine Angst vor Inflation durch Zölle.
Ein politisches Spiel auf dem Rücken der Unabhängigkeit
Die eigentliche Gefahr liegt jedoch tiefer:
Mit der Fed greift Trump eine der letzten institutionell unabhängigen Bastionen im US-System an – ein Organ, dessen Neutralität essenziell für das Vertrauen der Märkte und der internationalen Partner ist. Die Angriffe zielen darauf ab, die Grenze zwischen Politik und Geldpolitik aufzuweichen.
Dabei ist das eigentliche Ziel gar nicht Powell selbst, sondern das Gremium um ihn herum. Trumps Kalkül: „Wenn ich Powell nicht bewegen kann, dann vielleicht seine Kollegen.“
Oder wie Trumps Finanzminister Scott Bessent es zugespitzt formulierte: „Es gibt den Bobby-Knight-Stil und den Dean-Smith-Stil – Trump gehört zur ersten Schule. Und die gewinnt manchmal mehr Meisterschaften.“
Fazit
Trumps Vorgehen gegenüber Jerome Powell ist kein bloßes Theater – es ist eine bewusste Strategie zur Disziplinierung unabhängiger Institutionen durch politischen Druck, Personalpolitik und Medienkampagnen. Das Ziel: Die Kontrolle über eine Fed, die sich bisher der direkten Einflussnahme widersetzt hat.
Die Märkte mögen aktuell ruhig bleiben – aber die tektonischen Verschiebungen im Gefüge amerikanischer Gewaltenteilung sind nicht zu übersehen.