Ein massiver Bleivergiftungsfall bei mehr als 200 Kindergartenkindern in der nordwestchinesischen Stadt Tianshui erschüttert das Vertrauen der Bevölkerung in die lokalen Behörden – und erinnert viele an frühere Vertuschungen.
Laut offizieller Mitteilung wurden acht Personen verhaftet, darunter die Leitung des Heshi Peixin Kindergartens. Die Ermittlungen ergaben: Küchenpersonal soll toxische Farbe mit Blei als Lebensmittelzusatz verwendet haben – angeblich, um Speisen optisch aufzuwerten und mehr Eltern für die Kita zu gewinnen.
Doch statt Beruhigung schlägt den Behörden Misstrauen entgegen. Viele Eltern und Online-Kommentatoren glauben nicht an die offizielle Erklärung. Eine Mutter sagte gegenüber CNN: „Alle denken, das Essen war nicht die Ursache. Aber wie sollen wir es wissen? Nur die Regierung weiß, was wirklich passiert ist.“
Diskrepanzen bei Bluttestergebnissen
Ein weiterer Aufreger: Die von lokalen Behörden durchgeführten Bluttests wurden nicht veröffentlicht – wohl aber Tests, die Eltern auf eigene Faust in der benachbarten Großstadt Xi’an durchführen ließen. Diese ergaben bei mehreren Kindern extrem hohe Bleiwerte – bei einem Fall bis zu 528 Mikrogramm pro Liter, was laut offiziellen Richtlinien als „schwere Bleivergiftung“ gilt.
Einige Kinder hatten Werte, die über 2.000 Mal über dem zulässigen Grenzwert für Lebensmittel lagen. Dennoch bleibt unklar, wie regelmäßiger Verzehr von – meist nur wöchentlich servierten – Speisen zu derart massiven Vergiftungen führen konnte.
Zensur, Zweifel und offene Fragen
Trotz teils zensierter Online-Debatten sind viele Fragen noch offen:
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Warum wurde Industrie-Farbe verwendet, obwohl echte Lebensmittelfarbe oft billiger ist?
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Warum ist die veröffentlichte Videoüberwachung der Küche stark geschnitten?
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Warum gibt es keine umfassenden Bluttestergebnisse aus Tianshui selbst?
Erinnerungen werden wach an einen ähnlichen Fall aus dem Jahr 2006 – ebenfalls in Tianshui – bei dem mehr als 200 Menschen betroffen waren. Auch damals blieb die Bleiquelle offiziell ungeklärt.
Vertrauen verspielt
Selbst prominente staatstreue Stimmen wie Hu Xijin, ehemaliger Chefredakteur der „Global Times“, fordern nun mehr Transparenz: „Wer Fragen zu Umweltverschmutzung stellt, soll sachlich bleiben – aber die Behörden müssen ausreichend informieren, um Vertrauen zu schaffen.“
Experten wie Prof. Stuart Khan von der Universität Sydney betonen, dass solch hohe Bleikonzentrationen meist das Ergebnis längerfristiger Exposition seien – etwa über Wochen oder Monate –, was wiederum Zweifel an einem einmaligen Vorfall in der Schulküche nährt.
Fazit
Der Fall zeigt nicht nur ein möglicherweise gravierendes Gesundheitsrisiko auf, sondern auch die strukturellen Probleme im chinesischen System: Mangel an unabhängiger Kontrolle, vorschnelle Schuldzuweisungen – und eine Bevölkerung, die durch frühere Skandale gelernt hat, offiziellen Darstellungen mit Vorsicht zu begegnen.