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USA wollen Millionen steriler Fliegen aus Flugzeugen abwerfen – zur Rettung der Viehwirtschaft

mariananbu (CC0), Pixabay

Was nach einem apokalyptischen Albtraum klingt, ist in Wahrheit eine hochwirksame Maßnahme zur Seuchenbekämpfung: Die US-Regierung plant, hunderttausende steril gezüchtete Fliegen über ländlichen Gebieten abzuwerfen, um eine Ausbreitung der gefährlichen „Schraubenwurmfliege“ zu verhindern.

Die sogenannte New-World-Schraubenwurmfliege (Cochliomyia hominivorax) ist eine fleischfressende Fliegenart, deren Larven lebende Tiere befallen – sie nisten sich in Wunden ein und fressen das Gewebe ihrer Wirte von innen heraus.
Seit 2023 breitet sich die Seuche in Mittelamerika wieder aus – nach jahrzehntelanger Abwesenheit. Inzwischen ist die Fliege bis nach Süd-Mexiko vorgedrungen, was bei US-Behörden Alarm auslöste.

Fliegen gegen Fliegen: Die bewährte Strategie

Die USA setzen erneut auf ein Verfahren, das schon in den 1960er-Jahren erfolgreich war:
➡️ Sterile männliche Fliegen werden gezüchtet und aus Flugzeugen über betroffenen Gebieten freigelassen.
➡️ Diese paaren sich mit wildlebenden Weibchen, deren Nachkommen dann unfruchtbar sind.

Da Schraubenwurmweibchen nur einmal in ihrem Leben paaren, kann so ganzen Populationen der Fortpflanzung entzogen werden – und der Befall nimmt nach und nach ab.

Neues „Fliegenwerk“ an der Grenze geplant

Da aktuell nur ein Zuchtzentrum in Panama existiert, kündigte das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) an, ein neues Zentrum nahe der Grenze zu Mexiko zu errichten – voraussichtlich in Texas (Hidalgo County).
Der Bau soll rund 300 Millionen US-Dollar kosten. Zusätzlich wird ein bestehendes Werk in Mexiko modernisiert (Kosten: 21 Mio. USD).

Rund 100 Millionen sterile Fliegen pro Woche sollen künftig produziert und verteilt werden.

Eine tödliche Bedrohung für Nutztiere

Die Larven der Fliege können Kühe, Pferde, Wildtiere – und in seltenen Fällen auch Haustiere oder Menschen befallen.

„Wenn ein Tier nicht behandelt wird, kann es binnen zwei Wochen sterben“, warnt Dr. Phillip Kaufman von der Texas A&M University.

In betroffenen Regionen sind tägliche Kontrollgänge notwendig. Ein Impfstoff oder Repellent existiert nicht – nur chirurgische Wundversorgung hilft.
Seit Beginn des Ausbruchs wurden über 35.000 Infektionen gemeldet, davon 83 % bei Rindern.


Kosten vs. Nutzen: Milliarden auf dem Spiel

Der Rancher Stephen Diebel, Vizepräsident der Cattle Raisers Association, spricht von einer existenziellen Bedrohung:

„Wenn man 300 Millionen mit den potenziellen Schäden von 10 Milliarden Dollar vergleicht, ist klar: Diese Investition lohnt sich.“

So funktioniert die Fliegenfreisetzung

Die sterilisierten Fliegen werden in der Zuchtanlage mit Gammastrahlung behandelt, was ihre Fortpflanzungsfähigkeit zerstört – für Tiere oder Menschen ist die Methode laut USDA ungefährlich.

Die Tiere werden in klimatisierten Behältern transportiert und aus Flugzeugen über dünn besiedelten Gebieten abgeworfen – nicht über Städten.

Ausblick: Hoffnung auf Eindämmung

Das USDA teilte mit, dass erste Fortschritte bereits sichtbar seien:
Handelsstationen für Rinder in Texas, Arizona und New Mexico, die 2024 geschlossen wurden, sollen nun wieder öffnen.

Eine vollständige Eindämmung der Seuche wird jedoch Monate bis Jahre dauern – abhängig vom Verlauf der Ausbreitung und den logistischen Erfolgen der neuen „Fliegenfabriken“.

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