US-Präsident Donald Trump hat bei einem Treffen mit afrikanischen Staatschefs im Weißen Haus für Irritationen gesorgt, nachdem er den liberianischen Präsidenten Joseph Boakai für sein „schönes Englisch“ lobte – ohne dabei zu berücksichtigen, dass Englisch Liberias Amtssprache ist.
Während des Treffens mit fünf afrikanischen Staatsoberhäuptern fragte Trump:
„So gutes Englisch, wunderschön – wo haben Sie gelernt, so schön zu sprechen?“
Boakai antwortete, dass er in Liberia ausgebildet worden sei, woraufhin Trump erstaunt entgegnete:
„Das ist sehr interessant. Ich kenne Leute an diesem Tisch, die sprechen nicht annähernd so gut.“
Diese Bemerkung sorgte in afrikanischen Ländern für Unverständnis und Kritik. In sozialen Medien und Interviews wurde sie als herablassend und ignorant gegenüber afrikanischen Realitäten und Bildungssystemen gewertet.
Liberia: Englisch ist Amtssprache – und Teil der nationalen Identität
Liberia wurde im 19. Jahrhundert von ehemaligen amerikanischen Sklaven gegründet und orientiert sich sprachlich bis heute stark am amerikanischen Englisch. Zahlreiche Liberianer fühlten sich durch Trumps Aussage beleidigt.
Der liberianische Jugendaktivist Archie Tamel Harris sagte gegenüber CNN:
„Ich fühlte mich beleidigt. Für ihn war es offenbar überraschend, dass wir Englisch sprechen – dabei ist das unsere Landessprache.“
Ein liberianischer Diplomat, der anonym bleiben wollte, nannte die Aussage „unangemessen und herablassend“. Auch Veronica Mente, eine Politikerin aus Südafrika, kritisierte auf X:
„Warum steht [Boakai] nicht einfach auf und geht?“
Weiße Haus verteidigt Trumps Worte
Das Weiße Haus wies die Kritik zurück. Trumps Afrika-Berater Massad Boulos erklärte, das Treffen sei von Wertschätzung und Respekt geprägt gewesen.
„Afrika hat nie einen besseren Freund im Weißen Haus gehabt als Donald Trump.“
Die stellvertretende Pressesprecherin Anna Kelly ergänzte, es habe sich um ein „ehrliches Kompliment“ gehandelt. Trump habe Afrika und der Welt mehr Stabilität und Entwicklung gebracht als sein Vorgänger Joe Biden, sagte sie.
Liberias Regierung: Kein Groll – aber Missverständnisse möglich
Liberias Außenministerin Sara Beysolow Nyanti erklärte gegenüber CNN, dass Präsident Boakai sich nicht beleidigt gefühlt habe. Man müsse anerkennen, dass viele Menschen außerhalb Afrikas die sprachliche Vielfalt des Kontinents nicht verstünden.
„Trump erkannte den amerikanischen Einfluss auf unser Englisch – für uns war das eher eine Feststellung als eine Beleidigung“, so Nyanti.
Ein Muster in Trumps Auftritten
Trump hat bereits in früheren Treffen ausländische Staatschefs für ihre Englischkenntnisse gelobt. Bei einer Pressekonferenz mit dem deutschen Kanzler Friedrich Merz etwa fragte er scherzhaft, ob dessen Englisch genauso gut sei wie Trumps Deutsch.
Doch Trumps Umgang mit Afrika ist auch von Kontroversen geprägt: 2018 hatte er afrikanische Länder als „Shithole Countries“ bezeichnet. Im Mai 2025 warf er Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa unbegründet vor, weiße Farmer seien Opfer eines Genozids.
Am Mittwoch zeigte sich Trump jedoch versöhnlicher: Er lobte die afrikanischen Länder als „lebendige Orte mit großem Potenzial“ und betonte ihre natürlichen Ressourcen und die „wunderbaren Menschen“. Präsident Boakai erklärte sogar, Liberia glaube an die Vision, „America great again“ zu machen.