Ein sich rasch ausbreitender Waldbrand hat am Dienstag die Außenbezirke von Marseille, der zweitgrößten Stadt Frankreichs, erreicht. Aus Sicherheitsgründen wurde der Flughafen Marseille-Provence geschlossen, Anwohner wurden aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben und sämtliche Öffnungen abzudichten, um sich vor dem Rauch zu schützen.
Der Brand, der durch Winde mit Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h angefacht wurde, konnte am Abend teilweise unter Kontrolle gebracht werden. Über 700 Feuerwehrleute sowie Löschflugzeuge und Hubschrauber sind im Einsatz, wie die Behörden mitteilten. Dennoch sei die Gefahr aufgrund vorhergesagter starker Winde noch nicht gebannt.
Nach offiziellen Angaben wurden bislang 700 Hektar Land zerstört und rund 20 Gebäude beschädigt, jedoch wurden keine Todesopfer gemeldet. Zahlreiche Wohnhäuser konnten gerettet werden.
Der Brand war nahe der Ortschaft Les Pennes-Mirabeau ausgebrochen, nördlich von Marseille. „Es ist sehr eindrucksvoll – fast apokalyptisch“, sagte eine Anwohnerin.
Marseilles Bürgermeister Benoît Payan sprach von einem „Kampf“ gegen das Feuer, den er mit Guerillakrieg verglich. „Jede Entscheidung hängt von Faktoren wie Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit und Nachtabsenkung ab. Es ist extrem komplex.“
Viele Bewohner berichteten von dichten Rauchwolken und Ascheregen über der Stadt. Ein Anwohner des 16. Bezirks sagte: „Es war gefährlich. Viel schwarzer Rauch. Wir hatten große Angst.“
Die Präfektur Provence-Alpes-Côte d’Azur rief die Bevölkerung zur strikten Einhaltung der Anweisungen auf: Fenster und Türen geschlossen halten, nicht evakuieren, um Rettungsfahrzeugen freie Fahrt zu ermöglichen, und sich nicht auf Straßen begeben.
Auch der Bahnverkehr in und aus Marseille wurde ausgesetzt, ebenso einige Straßen und Autobahnen gesperrt. Flüge wurden nach Nizza, Nîmes und andere Städte umgeleitet. Wann der Flugverkehr wieder aufgenommen wird, ist noch unklar.
In anderen Teilen Südeuropas lodern derzeit ebenfalls Brände – unter anderem in Spanien, Griechenland und auf Kreta, während der Kontinent unter einer frühen Hitzewelle leidet.
Ein weiterer aktiver Brand in der Nähe von Narbonne im Südwesten Frankreichs hat dort laut Behörden bereits über 2.000 Hektar Wald zerstört.