Mit der Verabschiedung des knapp 900 Seiten umfassenden Gesetzes mit dem offiziellen Namen „One Big, Beautiful Bill Act“ hat Präsident Donald Trump eine der umfassendsten innenpolitischen Reformen seiner Amtszeit umgesetzt. Das Gesetz enthält umfangreiche Steuervergünstigungen, Subventionskürzungen und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, die bereits ab der Steuererklärung 2025 Auswirkungen auf Millionen Amerikaner haben könnten.
Steuerfreiheit für Trinkgelder und Überstunden
Zu den auffälligsten Neuerungen gehört die Einführung steuerfreier Trinkgelder. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einem Einkommen bis zu 150.000 US-Dollar (300.000 bei gemeinsamer Veranlagung) dürfen künftig bis zu 25.000 Dollar an „qualifizierten Trinkgeldern“ jährlich von ihrem zu versteuernden Einkommen abziehen. Diese Regelung gilt bis Ende 2028 und betrifft vor allem Beschäftigte im Gastronomie- und Dienstleistungsbereich.
Auch Überstunden werden steuerlich begünstigt: Bis zu 12.500 US-Dollar (25.000 bei Paaren) an Überstundenvergütung können jährlich steuerfrei geltend gemacht werden – ebenfalls begrenzt auf Einkommen bis 150.000 Dollar. Die Maßnahme bezieht sich nur auf Überstunden über die 40-Stunden-Woche hinaus und läuft Ende 2028 aus.
Kritiker warnen jedoch, dass diese steuerlichen Erleichterungen auch unerwartete Nebenwirkungen haben könnten: Arbeitgeber könnten etwa weniger Anreize haben, Löhne zu erhöhen, da Trinkgelder und Überstunden nun steuerlich attraktiver sind. Zudem könnte die Reform bestehende Probleme wie unsichere Arbeitsverhältnisse oder sexuelle Belästigung in Serviceberufen verschärfen, da Beschäftigte noch stärker auf Trinkgelder angewiesen seien, so Arbeitsrechtlerin Nisha Verma von der Kanzlei Dorsey & Whitney.
Neue Bildungs- und Familienförderung
Ein weiteres zentrales Element des Gesetzes ist die Einführung von „Workforce Pell Grants“ – eine Erweiterung der bisherigen Studienförderung auf kurzfristige Ausbildungsprogramme für gefragte, gut bezahlte Berufe. Ab Juli 2026 sollen auch Schulungen mit einer Dauer von 150 bis 600 Stunden förderfähig sein.
Gleichzeitig wird der Steuervorteil für arbeitgeberfinanzierte Kinderbetreuung ausgebaut: Ab dem Steuerjahr 2026 können Unternehmen bis zu 40 % ihrer Kinderbetreuungsausgaben (max. 500.000 Dollar) absetzen. Für kleinere Betriebe sind es 50 % bei maximal 600.000 Dollar Ausgaben.
Auch die bislang befristete steuerfreie Arbeitgeberhilfe bei Studienkrediten wird dauerhaft verlängert: Bis zu 5.250 Dollar jährlich können steuerfrei gezahlt werden, ab 2026 inflationsbereinigt. Nutznießer dieser Maßnahme sind laut Brookings-Institut vor allem Besserverdienende mit Zugang zu entsprechenden Arbeitgeberleistungen.
Ein komplexes Paket mit offenem Ausgang
Präsident Trump lobt das Gesetz als „gewaltigen Sieg für arbeitende Amerikaner“, doch Experten mahnen zur Vorsicht. „Auf den ersten Blick klingt vieles gut“, sagt Ökonomin Martha Gimbel von der Yale Budget Lab. „Aber viele Geringverdiener zahlen ohnehin keine Einkommenssteuer – und profitieren so weniger, als es scheint.“
Zudem sei unklar, wie schnell Unternehmen und Steuerbehörden die zahlreichen Änderungen umsetzen könnten – insbesondere, da viele Details wie Definitionen von „qualifizierten Trinkgeldern“ oder Überstundenregelungen auf Bundes- und Landesebene noch ausgearbeitet werden müssen.