Der 4. Juli gilt in den USA als Tag der Freiheit – doch in vielen Notaufnahmen ist er der blutigste Tag des Jahres. Jedes Jahr müssen Chirurginnen und Ärzte Finger, Hände oder ganze Gliedmaßen amputieren, Augen retten oder Angehörigen mitteilen, dass jemand den Tag nicht überlebt hat. Die Ursache: Feuerwerkskörper.
„Das sind im Grunde kleine Bomben, die sich Menschen in die Hand legen“, sagt Dr. Nicolas Lee, Handchirurg an der University of California in San Francisco. In der Woche vor dem Unabhängigkeitstag musste er bereits zwei Jugendlichen die Hände amputieren.
14.700 Verletzte, 11 Tote – allein im vergangenen Jahr
Laut der US-Verbraucherschutzbehörde (CPSC) starben 2024 elf Menschen durch Feuerwerksverletzungen, über 14.700 wurden medizinisch behandelt. Die häufigsten Verletzungen betreffen Hände, Finger, Gesicht und Augen – selbst harmlose scheinende Wunderkerzen verursachten über 1.700 Notfalleinsätze.
Dr. Jeffrey Goodloe, Notfallmediziner aus Tulsa, vergleicht die Verletzungen mit „Kriegswunden“: „Die Menschen ahnen nicht, dass legale Feuerwerkskörper genug Kraft haben, um Finger oder Hände abzureißen.“
„Der Daumen ist 40 Prozent der Handfunktion“
„Wenn ein Böller in der Hand explodiert, sieht die Hand danach aus wie ein explodierter Seestern“, so Dr. Lee. Besonders häufig ist der Daumen betroffen – er macht 40 % der Handfunktion aus. Eine Rückoperation sei oft unmöglich: „Was im Film funktioniert – Finger einfrieren, ins Krankenhaus bringen, wieder annähen – ist im echten Leben sehr selten.“
Auch Augen, Gesicht, Genitalien und innere Organe werden verletzt. Besonders gefährlich sind Unfälle am Strand: Der Sand wirkt durch die Explosion wie ein Splitterregen, der sich in Haut und Augen eingräbt – dauerhaft.
Junge Männer am häufigsten betroffen
Nahezu ein Viertel aller Opfer sind zwischen 15 und 24 Jahre alt – meist männlich. Dr. Arvin Akhavan, Notfallarzt an der University of Washington, berichtet: „Wir sehen Menschen, deren Leben sich durch eine Sekunde Dummheit für immer verändert hat – sie verlieren Augen, Hände oder mehr.“
Wenn der Nationalfeiertag zur Notfallübung wird
Krankenhäuser bereiten sich vor wie auf eine Katastrophe: Mehr Personal, zusätzliche OP-Teams, verschobene Routineeingriffe. In Seattle mussten letztes Jahr rund 50 Menschen nach Feuerwerksunfällen operiert werden – in nur vier Tagen.
Tipps der Ärzte – die kaum jemand befolgt
Die Mediziner betonen, wie vermeidbar die Unfälle sind – und wie leichtsinnig viele Menschen mit Feuerwerk umgehen. Ihre wichtigsten Ratschläge:
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Niemals ein brennendes Feuerwerk in der Hand halten
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Feuerwerkskörper einzeln anzünden und sofort zurücktreten
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Keine „Blindgänger“ erneut zünden oder anfassen
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Kein Feuerwerk unter Alkohol- oder Drogeneinfluss
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Bei Verletzungen sofort den Notruf (911) wählen
„Ich hoffe, dass dieser Artikel wenigstens einen Menschen davor bewahrt, sein Leben durch so etwas zu ruinieren“, sagt Dr. Lee.