Ein schwerer Fall von mutmaßlicher Umweltkriminalität erschüttert die Gemeinde Gettorf in Schleswig-Holstein: Die Imkerin Maike Lenz hat durch eine mutmaßliche Vergiftung rund 70.000 Bienen verloren. Insgesamt 15 Bienenvölker wurden ausgelöscht. Eine Laboruntersuchung bestätigte inzwischen den Verdacht: Die toten Tiere wiesen erhöhte Konzentrationen eines Insektizids auf.
Labor bestätigt Vergiftung
Das verwendete Gift, dessen genaue Zusammensetzung bislang nicht öffentlich benannt wurde, sei laut Analyse in einer Menge nachgewiesen worden, die für Bienen tödlich ist. Wie und wann genau der Wirkstoff auf die Tiere traf, bleibt derzeit Gegenstand der Ermittlungen. Klar ist: Die betroffenen Bienen zeigten typische Symptome einer akuten Vergiftung – unter anderem Orientierungslosigkeit, Krämpfe und massives Bienensterben im Flugradius der betroffenen Völker.
Imkerin tief betroffen
Für Maike Lenz ist der Verlust ein emotionaler und wirtschaftlicher Schlag. „Es ist ein Albtraum. Diese Völker wurden über Jahre aufgebaut und gepflegt. Dass so etwas mutwillig oder aus Nachlässigkeit geschieht, ist für mich unbegreiflich“, sagte sie gegenüber lokalen Medien. Sie betont zudem die Bedeutung der Bienen für das Ökosystem: „Es geht hier nicht nur um Honig, sondern um die Bestäubung von Obst, Gemüse und vielen Wildpflanzen.“
Aufruf an die Bevölkerung
Um Hinweise auf die Täter zu erhalten, hat die Imkerin nun eine Belohnung ausgesetzt. Wer sachdienliche Hinweise geben kann, die zur Aufklärung des Falls führen, wird gebeten, sich direkt bei ihr oder bei der örtlichen Polizei zu melden. Der Vorfall hat bereits überregional Aufmerksamkeit erregt – auch, weil Bienenverluste dieser Größenordnung meist auf menschliches Fehlverhalten oder gezielte Sabotage zurückzuführen sind.
Strafrechtliche Konsequenzen möglich
Umweltstraftaten wie diese können in Deutschland mit empfindlichen Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen geahndet werden – insbesondere wenn vorsätzlich geschützte Tierarten geschädigt werden. Das zuständige Veterinäramt und die Naturschutzbehörde wurden eingeschaltet. Ob sich der Täter aus Unwissenheit oder Absicht an einem bienenschädlichen Pflanzenschutzmittel bediente, bleibt bisher offen.
Bienen in Gefahr
Der Fall aus Gettorf ist kein Einzelfall. Bundesweit beklagen Imker immer wieder plötzliche Verluste ganzer Bienenvölker, häufig im Zusammenhang mit unsachgemäßem Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft oder in privaten Gärten. Der Deutsche Imkerbund fordert deshalb seit Jahren striktere Vorschriften und stärkere Kontrollen beim Einsatz bienengefährlicher Mittel.
Fazit
Der traurige Fund von rund 70.000 toten Bienen in Gettorf zeigt erneut, wie verletzlich unsere Bestäuberinsekten sind – und wie abhängig unsere Umwelt von ihrem Überleben ist. Für Maike Lenz beginnt nun ein mühsamer Weg des Wiederaufbaus. Gleichzeitig ist es ein Appell an alle: Wer bienenschädliche Mittel einsetzt – absichtlich oder fahrlässig – handelt nicht nur verantwortungslos, sondern gefährdet unser gesamtes Ökosystem.