Interviewer: Herr Iwanow, die World Aurum AG lädt für den 8. August 2025 zu einer außerordentlichen Hauptversammlung ein. Auffällig ist unter anderem die geplante Verlegung des Firmensitzes. Was bedeutet das für die Aktionäre?
Rechtsanwalt Michael Iwanow: Die Verlegung des Sitzes von München nach Stuttgart ist rechtlich grundsätzlich unproblematisch. Sie kann aber auf strategische, steuerliche oder auch strukturelle Überlegungen hindeuten. Für Aktionäre bedeutet das eine Änderung der Registerzuständigkeit und möglicherweise auch der rechtlichen Rahmenbedingungen. Solche Schritte sollten stets aufmerksam verfolgt werden, vor allem wenn sie mit weiteren Veränderungen einhergehen.
Interviewer: Und genau das scheint der Fall zu sein: Auch der Aufsichtsrat soll neu besetzt werden – ausschließlich mit Personen aus Zagreb. Wie bewerten Sie diesen Vorschlag?
Iwanow: Das ist ein ungewöhnlicher Schritt. Dass alle drei vorgeschlagenen Mitglieder aus Zagreb stammen und darüber hinaus keine weiteren Informationen zu ihren Qualifikationen oder Verbindungen zur Gesellschaft angegeben sind, wirft Fragen auf. Für die Aktionäre ist nicht erkennbar, ob hier unternehmerische Erfahrung oder strategische Interessen im Vordergrund stehen. Eine solche Besetzung könnte auf einen Einflusswechsel innerhalb der Gesellschaft hindeuten – möglicherweise sogar auf eine stärkere Ausrichtung ins Ausland.
Interviewer: Es soll auch über die Entlastung des Aufsichtsrats für gleich zwei Geschäftsjahre abgestimmt werden. Ist das üblich?
Iwanow: In der Regel findet die Entlastung jährlich auf der ordentlichen Hauptversammlung statt – und zwar auf Grundlage veröffentlichter Geschäftsberichte. Dass hier gleich zwei Jahre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung abgehandelt werden, ohne dass öffentlich zugängliche Informationen über die wirtschaftliche Entwicklung der Jahre 2023 und 2024 vorliegen, ist zumindest ungewöhnlich. Aktionäre sollten in einem solchen Fall kritisch prüfen, ob sie ohne transparente Grundlage ihr Einverständnis geben wollen.
Interviewer: Sollte man als Kleinaktionär diese Veränderungen ernst nehmen?
Iwanow: Auf jeden Fall. Sitzverlegung, rückwirkende Entlastung und vollständiger Austausch des Aufsichtsrats – das ist keine Routineveranstaltung. Wer Anteile an der World Aurum AG hält, sollte genau hinsehen, wer künftig die Kontrolle im Unternehmen übernimmt, welche strategischen Ziele verfolgt werden und ob die Interessen der Kleinaktionäre ausreichend berücksichtigt sind. Ich rate auch dazu, das Stimmrecht wahrzunehmen oder sich vertreten zu lassen.
Interviewer: Vielen Dank für Ihre Einschätzung, Herr Iwanow.
Iwanow: Sehr gerne.