Wenige Tage vor dem NATO-Gipfel in Den Haag liefern sich die Mitgliedsstaaten ein stilles Wettrennen – nicht um Sicherheit, sondern um die höchste Zahl auf dem Verteidigungsetikett. Fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts sollen es künftig mindestens sein, so die neue Zielvorgabe, auf die sich die 32 NATO-Staaten nach einem schriftlichen Entscheidungsverfahren verständigt haben. Verteidigung, so scheint es, wird zur neuen Ersatzreligion eines Bündnisses, das sich zunehmend durch Aufrüstung definiert – koste es, was es wolle.
Doch ausgerechnet Spanien, vertreten durch seinen sozialistischen Regierungschef Pedro Sánchez, wagt den Aufstand gegen die Einheitsfront. Fünf Prozent für Militär? „Unvereinbar mit unserem Sozialstaat und unserer Weltanschauung“, erklärt Sánchez in einer Fernsehansprache – ein Satz, der in einem Meer aus kriegsverliebten Pragmatikern wie ein moralischer Rettungsring wirkt.
Während der Rest des Bündnisses seine Kassen leert, um neue Panzer und Drohnenschwärme zu finanzieren, pocht Spanien auf Vernunft und verweist auf die jüngste Anhebung seiner Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent – dem alten NATO-Ziel. Das reicht, so Sánchez, sowohl zur Bündnisfähigkeit als auch zur Wahrung sozialer Gerechtigkeit. Ein Skandal? Nein. Eine dringend notwendige Erinnerung daran, dass Sicherheit mehr ist als militärische Dominanz.
Ironie des Gipfels: Die spanische Position, so Sánchez, habe letztlich dazu geführt, dass die neue Fünf-Prozent-Forderung nur eine Option bleibt, kein Zwang. In anderen Worten: Spanien hat es geschafft, die NATO an ihre eigenen Prinzipien zu erinnern – nämlich an die Freiheit der Mitgliedsstaaten, eigene Prioritäten zu setzen.