In Erfurt startet heute ein neues Pilotprojekt zur digitalen Verkehrssteuerung: Die App „trafficpilot“ soll dafür sorgen, dass Autofahrerinnen und Autofahrer künftig vorausschauender, flüssiger und umweltfreundlicher durch die Stadt kommen. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, ist die Anwendung ab sofort kostenlos verfügbar und kann auf Smartphones installiert werden. Die Einführung ist Teil der städtischen Bemühungen, die Verkehrsinfrastruktur nachhaltiger und digitaler zu gestalten.
Was kann „trafficpilot“?
Die App bietet eine Echtzeit-Übersicht über Ampelphasen auf wichtigen Verkehrsachsen in Erfurt. Sie informiert den Fahrer bereits während der Annäherung an eine Ampel darüber, wann diese voraussichtlich auf Grün oder Rot schaltet. So soll unnötiges Bremsen und Anfahren vermieden werden. Die Folge: ein ruhigerer Verkehrsfluss, weniger Staus, geringerer Spritverbrauch – und damit auch weniger CO₂-Ausstoß.
Die Anwendung basiert auf Daten der kommunalen Verkehrssteuerung, die unter anderem über Sensoren und digitale Ampelsteuerungssysteme gesammelt werden. Diese Daten werden dann live an die App übermittelt. Zunächst ist das System auf besonders frequentierten Hauptstraßen einsetzbar, etwa entlang des Juri-Gagarin-Rings und Teilen der Magdeburger Allee. Weitere Streckenabschnitte sollen in den kommenden Monaten folgen, sofern die Pilotphase erfolgreich verläuft.
Ziel: Weniger Stillstand, mehr Effizienz
Stadtverwaltung und Verkehrsplaner versprechen sich vom Einsatz der App mehrere Vorteile. Zum einen soll sie dazu beitragen, den innerstädtischen Verkehr zu entlasten, indem die Zahl unnötiger Stopps reduziert wird. Zum anderen kann das Fahrverhalten der Nutzer optimiert werden, was zu einem geringeren Kraftstoffverbrauch und sinkenden Emissionen führen dürfte. Darüber hinaus könnten künftig auch Hinweise auf Staus, Baustellen oder empfohlene Geschwindigkeiten eingebunden werden.
„Wir wollen mit digitalen Lösungen wie dem trafficpilot neue Wege gehen, um den Verkehr in unserer Stadt intelligenter und nachhaltiger zu gestalten“, sagte ein Sprecher der Stadt. Die Maßnahme sei Teil eines umfassenden Mobilitätskonzepts, das auf eine moderne, umweltbewusste Verkehrspolitik ziele.
App-Nutzung im Alltag – Chancen und Herausforderungen
Der Erfolg der App hängt jedoch maßgeblich davon ab, wie gut sie in der Praxis angenommen wird. Die Stadt ruft deshalb Bürgerinnen und Bürger dazu auf, die Anwendung aktiv zu nutzen und Feedback zu geben. Vor allem Berufspendler und Vielfahrer sollen von den Funktionen profitieren. Damit die App während der Fahrt nicht zur Ablenkung wird, wird empfohlen, sie mit einer Sprachassistenz oder im Halterungsmodus zu verwenden.
Verkehrsexperten begrüßen den Schritt, mahnen jedoch auch zur realistischen Erwartungshaltung: „Eine App allein wird keine Verkehrsprobleme lösen, aber sie kann ein wichtiger Baustein im Gesamtpaket smarter Mobilität sein“, so ein Mobilitätsforscher der Universität Erfurt.
Ausblick: Digitalisierung des Verkehrs nimmt Fahrt auf
Erfurt reiht sich mit dem Projekt in eine wachsende Zahl deutscher Städte ein, die auf digitale Verkehrslenkung setzen. Ähnliche Modelle wurden bereits in Berlin, Hamburg und München getestet – mit teils positiven Effekten auf die Reisezeiten und Emissionswerte.
Langfristig soll „trafficpilot“ auch mit anderen Mobilitätsangeboten verknüpft werden – etwa mit ÖPNV-Apps oder multimodalen Verkehrsangeboten wie E-Scootern und Carsharing. So könnte sich die App zu einem zentralen Begleiter für den städtischen Verkehr entwickeln.
Für die kommenden Monate ist eine erste Auswertung der Nutzung geplant. Dann wird sich zeigen, ob die neue App tatsächlich hält, was sie verspricht – und ob die Erfurterinnen und Erfurter bereit sind, sich auf die digitale Verkehrssteuerung einzulassen.