Polen entscheidet heute in einer Stichwahl, wer das Amt des Staatspräsidenten für die kommenden Jahre übernimmt – und damit auch, in welche politische Richtung das Land künftig steuert. Die Wahllokale sind geöffnet, bis 21 Uhr können Bürgerinnen und Bürger zwischen zwei grundverschiedenen Kandidaten wählen: dem liberalen Pro-Europäer Rafał Trzaskowski und dem rechtsnationalistischen Herausforderer Marek Nawrocki.
In der ersten Runde hatte Trzaskowski, der amtierende Bürgermeister von Warschau, nur knapp zwei Prozentpunkte Vorsprung. Umfragen deuten auch für die Stichwahl auf ein äußerst knappes Rennen hin – ein Ausgang, der nicht nur für Polen, sondern für ganz Europa von Bedeutung sein dürfte.
Ein Sieg Trzaskowskis würde die proeuropäische Regierung unter Ministerpräsident Donald Tusk stärken und den innenpolitischen Kurs des Landes weiter in Richtung EU-Integration, Rechtsstaatlichkeit und westliche Bündnisse lenken. Marek Nawrocki hingegen steht für eine konservative Wende, betont nationale Souveränität und signalisiert eine kritischere Haltung gegenüber Brüssel. Zudem stellt er offen die bisher klare Unterstützung Polens für die Ukraine in Frage – ein Thema, das besonders inmitten des russischen Angriffskriegs internationale Beachtung findet.
Die Wahlbeteiligung gilt als Schlüssel zum Ausgang der Stichwahl. Beide Lager haben in den vergangenen Tagen massiv mobilisiert, auch unter jungen Wählerinnen und Wählern sowie in ländlichen Regionen, die in der Vergangenheit tendenziell unterschiedlich gestimmt haben.
Das endgültige Ergebnis wird für Montag erwartet. Doch schon jetzt ist klar: Die Wahl entscheidet nicht nur über ein Amt – sondern über den künftigen Kurs Polens innerhalb Europas und seine Rolle auf der internationalen Bühne.